Sommerliche Freitagsgedanken einer Endvierzigerin

Als ich noch sehr jung war und sehr dünn – wir sprechen von 15, 16 Jahren und 48 kg bei 173 cm – liebte ich besonders den Sommerschlußverkauf. Das Modehaus Blömer vor allem hatte ich im Visier: Eine junge und moderne Abteilung im Erdgeschoß mit all den angesagten Marken von Fruit of the loom bis Vanilia, angenehmes Ambiente (schon damals ging mir das dauernde Gewummere in den Läden auf die Nerven) und auch meine Mutter wurde fündig und konnte so immer mal wieder zum gemeinsamen Einkaufen überredet werden. Denn wirklich günstig war das Geschäft natürlich nicht.

Doch im SSV sanken die Preise und Verkaufsständer in unendlicher Menge standen vor allen Schaufenstern, die voll waren mit Kleidungsstücken, die das Haus egal wie verlassen sollten. Und damals war es so, dass dort vor allem die Stücke in den unüblichen Größen hingen – also 34 und 36 und von 48 an aufwärts. Gut, für die 36 musste ich mich beeilen, es schlichen dann gerne andere sehr Schlanke um die Ständer – die 36 war damals ein klein wenig enger geschnitten als heute; 34 ging selbst mir nicht weiter als bis an den Oberschenkel.

Nun war ich heute in der Innenstadt – hat sich natürlich gerecht, die Zahnlücke pocht, puckert und pulst ohne Ende – weil mich die Sucht nach hauchzarten, lässig hängenden Trägertops trieb und der Wunsch, einige hübsche Stoffe für die weiteren Nähpläne zu finden. Stoffkauf ist zur Zeit nicht spaßig, das muss ich mal sagen – selbst Karstadt hat nun kaum anderes als Jerseys und überteuerte Patchworkstoffe zu bieten. Aber gut, ich hielt mich dann beim Schweden und bei einem der Franzosen schadlos, die mir mit Freude das Gesuchte zu reduzierten Preisen anboten. Jeden negativen Gedanken an die Schlechtigkeit der Welt verdrängend, wühlte ich mich von Bügel zu Bügel und frage mich, was sich verändert hatte und was ich wohl nicht so recht verstünde.

Denn sowohl bei HM als auch bei Promod empfinde ich die Oberteile als eher weit gearbeitet – mit tiefen Armlöchern und viel Platz unter der Achsel, nicht unbedingt viel Platz für Busen allerdings – so dass ich hier wahrhaftig mit einer 36 auskomme. Gab es aber beim Schweden überhaupt nicht. Es fing im besten Fall mit 40 oder M an, was aber eine Ausnahme war – von 14 Tops gleicher Farbe waren 12 in XXL, eines in L und eines in M, das mir eine andere Frau schnell wegschnappte. Insgesamt 11 Teile hätten mir gefallen können, zwei davon fand ich M – ich habe beide gekauft und werde mich an Wochenende daran machen, die Träger zu kürzen und die Seiten zu verschmälern. Lässig ist ja schön, aber Ausschnitte, die den BH komplett freilegen, sind mir dann doch zu viel.

Bei Promod war es ganz ähnlich – vier Oberteile gefielen mir sehr, die kleinste Größe war eine 44. Ich stöberte weiter und fand genau das Top, das ich mir vorgestellt hatte – in 36. Meins! Ha. Eine junge Frau, die hinter mir stand, griff ebenfalls in den Ständer und musste feststellen: Die anderen waren in – tadaa! – 44.

Nun stand ich in der Kabine und wunderte mich. Zum Einen sind die deutschen Frauen schwerer geworden; so trägt die Durchschnittsfrau Kleidergröße 44 (interessant, wie die deutsche Durchschnittsfrau ansonsten so drauf sein soll – bislang habe ich mich ja für sehr durchschnittlich gehalten, aber jetzt fühle ich mich deutlich fremd :-D). Also genau die Größe, die ich auch in anderen Geschäften fand. Was heißt das denn nun? Wird mittlerweile vor allem diese Größe in solchen Massen hergestellt, dass zwangsläufig ein großer Überschuß bleibt? Oder traut sich diese Frau nicht in zarten Tops und engen Hosen vor die Türe? Was mir unverständlich ist und bleiben wird, denn zur selben Zeit klagen ja durchaus manche Frauen jenseits der 38 darüber, dass es für sie keine modernen und sexy Klamotten gäbe – also zur Zeit hängen sie in Hülle und Fülle in den Läden. Selbst bei Zara, die nun wirklich sehr eng schneidern und sich auf die junge, hippe, modesüchtige Narzisstin mit Selfiedrang spezialisiert haben (wobei ich da schon gerne schaue … mea culpa), hängen vor allem die größeren Größen (also maximal eine 40 …), während die Fähnchen, in denen ich schon an den Knien stecken bleibe, längst in irgendwelchen Kleiderschränken hängen. Sind die Schlanken und Dünnen doch nicht so arg in der Minderheit, wie die Statistiken es zeigen? Woher kommen diese Zahlen überhaupt – wieviele Frauen werden da alle Jubeljahre nach der Zahl ihrer Liebhaber und der auf ihrer Waage befragt? In meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis ist Kleidergröße 36/38 am häufigsten anzutreffen, danach 44/46 und eine 50/52. Zwei Bekannte sind supersupersuperschlank, viel zu sportlich für meinen Geschmack sind die meisten, bildschön sind sie alle. Was die Zahl der Liebhaber anbelangt, kann ich allerdings nichts verlässliches berichten … 6,7 erscheint mir allerdings – nunja, lassen wir das.

Weshalb also hängen wunderschöne, durchaus elegant-verführerische Oberteile in den Läden, die an wunderschönen „Durchschnittsfrauen“ noch verführerischer wirken könnten, wenn gleichzeitig die „Durchschnittsfrau“ beklagt, nichts elegant-verführerisches finden zu können? Es nähen ja nicht alle alles selbst, nicht wahr?

Und während ich also bei HM in der Kabine stand und Kaufkleidung probierte, fiel mir endlich auf, was in den letzten zwei Jahren geschehen war und weshalb ich beim Anblick meines vollen Stoffschrankes und meiner Nähmaschine ein schlechtes Gewissen hatte. Vor drei Jahren noch war meine Garderobe – bis auf Schuhe, Strümpfe, Schlüpfer – zu 100% handgemacht. Heute kommt der Anteil Selbstgenähtes auf etwa 30-35%. Selbst für Nicht-Mathematiker ein deutlicher Unterschied. Das liegt zum einen daran, dass ich überhaupt gar keine Lust habe, mir enge Jeans und Röhrenhosen selbst zu nähen, wobei es dazu geeignete Stoffe eh kaum zu finden gibt, und zum anderen an der Tatsache, dass mir momentan einfach vieles ganz gut passt, was mir in den Läden angeboten wird. Kleider, Mäntel und längere Oberteile mit Ärmel sind die Kleidungsstücke, die nicht optimal sitzen und die ich nach wie vor selber fertige. Aber da stellt sich die Frage, wieviele Kleider, Mäntel und Blusen ich wirklich brauche … und so ist auf einmal das Nähen wieder Hobby geworden, nur hatte mein Gewissen das noch nicht so recht mitbekommen bis  heute.

Als ich ausschließlich selbstgenäht getragen habe, und das in körpernahen Vintageschnitten, stand ich permanent unter Druck, bestimmte Bedürfnisse des Alltags befriedigen zu müssen und jede noch so geringe Zunahme oder einige Wochen mehr Sport führten dazu, dass die Kleider und Röcke nicht mehr richtig saßen. Halbjährlich passte ich an, halbjährlich nahm ich zu, bis ich es leid hatte – sowohl das ständige Ändern als auch das ständige Zunehmen. So recht gefiel ich mir nicht mehr, denn – lassen wir mal die immer noch dünnen Arme und Beine beiseite – aus dem Spiegel schaute mich mittlerweile eine recht kurvige Person an, der Körperlichkeit eine andere war als die, mit der ich aufgewachsen war. Aber diese Frau gefiel mir durchaus. Sie gefiel nur eben überhaupt nicht in Vintage.

Denn Vintage hatte für mich nichts mit Kurven und Üppigkeit zu tun – meine Liebe zu Vintage entstammt ja ebenfalls meinen Jugendtagen, als ich eben dünn war und mich damit quälte, dicker werden zu wollen. Was mich anzog, waren ja nicht nur Hollywoodfilmchen, sondern es waren die Modezeichnungen der 20er und 30er, auf denen hochgewachsene, hüftlose Frauen von makelloser Eleganz zu sehen waren, die nicht sexy, sexy, sexy sein wollten, sondern süffisant sich über die armen Frauen früherer Jahrzehnte mokierten, die in Korsetts eingeschnürt zum Klischee von Weiblichkeit wurden mit all ihren Rüschen, Schleifen und Schleppen. Es waren biegsame Frauen auf diesen Zeichnungen zu sehen, die anderes im Leben wollten, als sich über die Wünsche irgendwelcher Männer zu definieren und die selbst die schönste Kleidung trugen, als sei sie Nebensache und nicht beworbenes Produkt. Dass mir Vintagekleidung dabei durchaus auch an fülligen Frauen gefällt, spielte für mich selbst, also für die Person im Spiegel keine Rolle – mein Äußeres hatte einfach zu wenig Verbindung zu meinem Inneren. Es mag übertrieben klingen, aber ich hatte in dieser Zeit zum ersten Mal das Gefühl, Transgender nicht nur zu akzeptieren und für normal zu halten, sondern wirklich vollkommen zu verstehen – dein Inneres schaut dir im Spiegel einfach nicht entgegen.

Oh, ich mäandere, nicht wahr? Aber bätsch, wer bei dem Beitragstitel freiwillig liest, darf sich hier nicht wundern 🙂

Nun, ich gebe zu, es ist ein albernes halbes Kilo, das ich gerne noch loswäre – das ist der halbe Zentimeter, der im einen oder anderen Hosenbund kneift. Es macht mich nicht unglücklich, dass er noch da ist, es wird sich nichts von Bedeutung ändern, wenn er weg ist. Aber dass die „fremden“ Kilos weg sind und ich  – zur Zeit – ein wenig mehr  Spaß an Fitness habe, hat etwas verändert. Ich erkenne mich wieder, fühle mich zuversichtlicher, was mich wirklich erstaunte über die letzten Wochen, in denen ich mich ja auch ans Schreiben gewagt habe, egal, ob etwas daraus wird oder wie sehr ich mich blamieren mag.

Und auch das fiel mir dann heute morgen ein, als ich an einem Café vorbeikam: In diesem Café saß ich im Frühjahr 2001 an einem sehr warmen Tag und war sehr, sehr glücklich und unglaublich zuversichtlich und geradezu irrsinnig mutig (oder leichtsinnig). Ich hatte einige Wochen zuvor mein Gewerbe abgemeldet und meine Kosmetikliege und alles Zubehör verkauft, weil ich die Selbstständigkeit satt und mich gerade aus einer Depression heraus gezogen hatte. Ganz hatte ich mit der Branche noch nicht brechen wollen und die Außendienstlerin der Firma, mit der ich arbeitete, hatte alles daran gesetzt, mich zu erhalten – wer will schon gerne Kunden mit gutem Umsatz verlieren? Und so hatte sie mich überall wärmstens empfohlen und in der Tat flatterten Angebote ohne Ende ein. Ich wollte aber in Bonn bleiben, nicht wieder in den Norden oder nach München, selbst ein Angebot ans Mittelmeer konnte mich nicht reizen – ich wollte endlich seßhaft werden. Doch nicht zu weit entfernt gab es ein Hotel, dessen neuer Direktor große Pläne hatte. Ich stellte mich vor, er war angetan und es ist NICHT arrogant, dass ich das in Vorstellungsgesprächen gewohnt war, und ich erklärte mich bereit, einige Tage Probe zu arbeiten. Die beiden Angestellten, die dort waren, waren fachlich eher unsicher – gut, das bekäme ich in den Griff. Die Abteilung war unorganisiert und die Angebote unübersichtlich – jeder Reiseveranstalter hatte sich etwas eigenes zusammen gestellt und die Preise schwankten zwischen zu niedrig und astronomisch. Das Material war von minderer Güte, die Hygiene verbesserungswürdig. In kürzester Zeit hatte es hier einiges an Personalwechsel gegeben und eine Chefin war schon lange nicht mehr da. Wir sprachen lange über all diese Probleme und ich fand es durchaus reizvoll, wieder eine Farm zu leiten. Ich stieg also probehalber ein. Zweieinhalb Tage lang. In dieser kurzen Zeit tröstete ich im Halbstundentakt weinende Mitarbeiter, stritt mich mit der Rezeption, die selbständig Behandlungstermine doppelt und dreifach belegte, erfuhr, dass die Direktion mitnichten daran dachte, rostige Zangen zu ersetzen oder das Depot aufzunehmen, das mich vermittelt hatte. Als man mir dann noch erklärte, man sei davon ausgegangen, ich wolle hier etwas erreichen und daher doch sicherlich in den ersten drei Monaten auf freie Tage verzichten – und damit war genau das gemeint: 24/7 – aber man mir dazu nicht einmal eine Wohnung auf dem Gelände zur Verfügung stellen konnte, und als ich dann auch abends von den Angestellten angerufen wurde, die mir ihr Leid klagten – da war ich durch. Ich mochte mich nicht einmal mehr auseinander setzen: Ich schickte frühmorgens ein Fax mit der Nachricht, dass das Probearbeiten zu erhellend gewesen sei und daher den Vertrag nicht unterschreiben wolle. Dann floh ich in die Stadt und gönnte mir ein Frühstück, ohne zu wissen, wie ich meine Miete weiterhin würde zahlen können.

Nachmittags schrieb ich dann an vier verschiedene Zeitarbeitsfirmen Bewerbungsmails und hatte zwei Tage später einen Job. Und diese Zuversicht, die hatte ich vollkommen vergessen. Nein, heute würde ich das nicht mehr wagen und die Zeiten sind auch nicht mehr so, dass Quereinsteiger gute Chancen hätten – aber mich wieder ein wenig was trauen, MIR wieder ein wenig mehr zutrauen, das will ich auch wieder schaffen. Dann darf mich aus dem Spiegel ruhig eine alternde, müde Frau anschauen – mit der werde ich auch noch fertig 😀

Männerschreck

Erst einmal zur gestrigen Frage, was tun mit transparenten Stoffen (die man ja meist gekauft hatte, weil sie so herrlich luftig waren und die Transparenz nicht so arg auffiel). Es besteht Einigkeit in dem Gedanken, diese mit einem zarten Batist in passender Farbe zu füttern. Und in der Theorie stimme ich zu.

ABER passende zarte Stoffe zu finden, ist ja schon mal das Eine – Stunden an Onlinesuche sehe ich vor mir und neue Stoffe, die ich ursprünglich gar nicht wollte noch dazu. Das Andere ist: Habe ich, habt ihr, immer Lust, jedes Oberteil doppelt zu nähen? Und ist es nicht auch schade, dass dem zarten Oberstoff seine Zartheit genommen wird? Ich denke, ich bin noch nicht am Ende mit den Überlegungen und vielleicht schaffe ich es in den nächsten Tagen einmal, mir anhand meiner Sorgenkind-Stoffe kluge Gedanken zu machen. Wie immer ist es gut zu wissen, dass das Problem nicht mich alleine betrifft.

Jetzt aber zum Männerschreck. Ich habe es gestern wirklich geschafft, die zweite Stylebook-Bluse zu nähen. Wie die erste auch ist es ein sehr simples Modell, das wenig passformsensibel ist, aber dennoch mit feinen Details aufwartet: Vier Abnäher am Ärmelsaumen schaffen Form, der V-Ausschnitt ist sanft gerundet (was ich noch verstärkt habe), die Armausschnitte sind ebenfalls geformt und kleine Seitenschlitze gibt es auch. Dazu ist das Rückenteil um vier Zentimeter länger als das Vorderteil, was eigentlich den Sitz verbessern sollte.

Eigentlich, denn bei mir rutscht die Bluse genauso wie Kaufkleidung nach hinten herunter. Ich weiß, das hat etwas mit der Balance zu tun, aber für einen solchen Schnitt fehlt mir der Nerv, mich an das Thema zu begeben. Zumal, und das verblüfft mich selbst, ich finde, dass dieses Rutschen einen gewißen Charme bei dieser Bluse ausmacht.

Schwierig fand ich die Stoffauswahl: Da der Schnitt 22 cm weiter ist als die Oberweite, dazu überschnittene Schultern hat und gerade herunter geht, sieht er in einem festen Stoff gearbeitet sehr quadratisch aus. In einer fließenden Qualität hingegen machen die Ärmelabnäher nicht viel Sinn, da die skulpturale Form zusammen fällt.

Ich habe mich für einen Leinenrest entschieden – die Bluse kommt mit etwa 1,30 m Stofflänge hin. Ob ich mit dieser Entscheidung für die Goldene Mitte das Ideal getroffen habe, weiß ich noch nicht – ich denke, ich werde die beiden anderen Varianten auch noch einmal testen. Also in fließend und in fest.

Nun, das gute Stück wurde fertig und ich hatte meine Zahnschmerzen gründlich leid und plante, heute vormittag in die Innenstadt zu fahren, um nach passenden Stoffen für zwei, drei weitere Ideen zu schauen. Ich teilte dem Gatten mit, das Auto zu benötigen. Ich machte mich zurecht. Ich warf mich in eine vom Gatten geschenkte Hose und in die neue Bluse, schnappte mir Tasche und Schlüssel und war bereit, das kranke große Kind seinem Schicksal zu überlassen und trat vor die Tür. Wo zum Henker war der Wagen???

Der Gatte befürchtete ein abendliches Gewitter und wollte einer nassen Heimkehr vorbeugen. Mies gelaunt, aber insgeheim wissend, dass mit puckernder Wunde es nicht die beste Idee war, mich zu weit vom Heim zu entfernen, machte ich also das beste aus meinem nicht hundespaziergangtauglichen Gewand und schoß Bilder. Ganz, ganz viele Bilder, die ihr alle ertragen müsst.

Zusammen mit der Dreiviertel-Culotte kommt die Bluse sehr japanisch rüber. Wobei das auch immer eine Frage des Posings ist:

 

 

So kleidsam wären beide Teile, trüge man sie wie eine lebende Schnittzeichnung. Ihr müsst zugeben, besser kann man die Linienführung nicht deutlich machen. Und stellte ich mich so vor den Gatten, so verschreckte ich ihn nachhaltig – was ich mir mal merken werde, man weiß ja nie …

Viel besser und japanischer sieht es mit ein wenig Bewegung aus:

 

 

Immerhin habe ich mich vom Computerspielmännchen bis zur Reispflückerin hoch gearbeitet.

 

 

Mit den Händen in den Hosentaschen lässt sich ja alles auf cool und lässig trimmen – dazu ein sinnender Blick, der Welt abgewandt und der Sexyness eine Absage erteilend – was diese Bluse so alles kann.

 

 

Aber fehlte nicht noch der urbane Geist? Der lässt sich schnell herbei rufen, in dem ein Teil des Saums in den Bund gesteckt wird (und ich mag das ja wirklich sehr!)

 

 

Von der Seite fällt das Rückenteil blousonartig herunter – was zum einen an den Händen in den Hosentaschen liegt und zum anderen an mangelhaften Balance.

 

 

So also wäre ich durch die Stadt gerast auf der Suche nach mehr Stoff. Statt dessen überbrachte ich Max und Micky die frohe Botschaft, dass sie nicht länger warten müssten, sondern nun gleich mit mir durch die Derle wandern dürften. Natürlich nicht in der feinen Hose, sondern in einem Poly-Crêpe-Jogginghosen-Verschnitt. Und das habe ich dann auch noch geknipst, nachdem wir zurück waren.

 

 

Was für die Bluse spricht, ist ihre Luftigkeit – alles ist weit und offen, wirkt aber angezogen. Sowas kann man doch immer gebrauchen, oder?

 

 

Mit engen Hosen gefällt sie mir übrigens ebenfalls, was für mich gar nicht in Frage käme, wäre ein Rock wie es im Heft kombiniert war. Was bei anderen wie ein Spiel mit Volumen und Längen wirkt, sieht an mir bieder und massig aus. So bleibt meine Sehnsucht nach Röcken weiterhin ungestillt.

 

 

Aber dafür kann die Bluse ja nichts …

Kleines Zelt, japanisch, grau

Ich sitze draußen und das in einem Minibikini, in dem ich mich niemals ins Freibad wagen würde. Aber das will ich auch gar nicht hin, sondern so entspannt wie möglich arbeiten und das Wetter genießen. Darf man das Schreiben an einem Buch, von dem man aber auch so gar keine Ahnung hat, ob es etwas wird, Arbeit nennen. Oder ist das reines Privatvergnügen? Ach, egal, egal.

Die Sonne scheint also, der Zahnschmerz ist auf ein erträgliches Minimum reduziert, mit den Hunden war ich auch endlich wieder unterwegsund sogar einen kleinen Einkauf habe ich erledigt. Und als ich an mir herunter schaute, stellte ich fest, dass ich ein noch nicht gezeigtes Zelt trug. Das wird hiermit geändert.

Frohgemut baute ich das Stativ auf und war zuversichtlich, rasch ein, zwei brauchbare Bilder zu produzieren. Weil: Fotografieren ist ja meine Stärke, nicht wahr?

 

 

 

 

Nun gut, meine Konzentration schwand beträchtlich, nachdem Max einige Male um meine Beine galoppierte – da unser Garten nicht vollständig geschlossen ist und er bei lauten Geräuschen gerne mal in die Nachbargärten abgaloppiert, kam seine Zuneigung mit Fessel. Ich sah mich schon zum Rollbraten verschnürt zu Boden sinken.

 

 

Mein altes Problem: Wohin mit den Händen, den Füßen, dem ganzen Mir vor der Kamera? Ich war noch mit Sortieren beschäftigt, als es knipste.

 

 

Dann besann ich mich auf den Lehrauftrag, den ich mir am Montag gab: Weite Oberteile und die Wirkung der BHs darunter. Normalerweise trag ich unter Schnitten wie diesem hier Halter, die nicht mehr tun als halten. Heute aber habe ich einen geformten, hebenden, stützenden BH an. Von vorne noch ok, von der Seite stört er den Fall des Stoffes schon sehr und zaubert ordentlich mehr von allem an mich ran.

 

 

Der Schnitt stammt wieder aus einem Mrs. Stylebook; ich denke, aus einer letztjährigen Ausgabe. Der Stoff war ein Rest, den ich doppelt genommen habe, da er ansonsten zu transparent gewesen wäre. Ich weiß nicht, wie es kommt, aber davon habe ich einige im Schrank liegen. Die meisten sind gemustert, so das doppelt legen nicht so schön wäre. Hemdchen unterziehen finde ich weder schön noch bequem … was also tun?

Ganz, ganz simpel

Am Freitag ist Zahn Nummer drei gezogen worden und ich habe Aua. Der Kreislauf sprang im Dreieck, wenn er überhaupt hoch kam, ich pendelte zwischen Bett und Sofa und ernähre seitdem von salzigen, weichgekochten Aufguß-Fertiggerichten und Schmerztabletten. Immerhin bin ich seit gestern abend wieder in einer senkrechten Version zu haben – es geht also aufwärts.

Doch zwischendurch, wenn ich stundenlang online war oder brav an einem weiteren Kapitel bastelte, trieb mich der kindliche Übermut; der Gatte nannte es dumm und kindisch und das waren die harmlosesten seiner gemurmelten Worte. Aber ich bin sicher, hier verständnisvollere Mitmenschen zu treffen. Irgendwann hat man das eigene Leid doch so leid, dass man es ignoriert und sich in eine Arbeit stürzt, die ablenkt. Der kreative und intelligente Mensch – Frau genannt – setzt sich dann gerne an die Nähmaschine. Oder? ODER? Eben, vielen Dank!

Am Donnerstag hatte ich einen Schnitt der zweitsimpelsten Sorte nach einer Stylebook-Anleitung gezeichnet und auch schon zugeschnitten (Zuschneiden mit Zahnschmerzen ist nicht zu empfehlen, das weiß ich schon). Und am späten Samstagnachmittag setzte ich mich dann hin und steckte die fünf Teile zusammen, schob sie unter die Nähmaschine, bügelte mehr recht als schlecht und tackerte zu guter Letzt noch den Saum an, der ein klein wenig wellig wurde – nie habe ich behauptet, unter Schmerz und Droge gut nähen zu können, nur, dass ich es trotzdem tat … gebraucht habe ich etwa vier Stunden, was ich ausnahmsweise auf meinen elenden Zustand schieben darf und nicht auf meine nachlassende Geschwindigkeit.

Vermutlich werde ich den Schnitt noch einmal oder zweimal verwenden, weil er sich wunderbar für Stoffreste von etwa einem knappen Meter eignet – oder weniger, wenn die Belege aus einem anderen Stoff geschnitten werden. Es ist im Prinzip ein Rechteck, das mit geformten Armlöchern und angepasster Schulterlinie aufwartet und wie ein überschnittenes T-Shirt wirkt. Der Halsausschnitt könnte etwas breiter und tiefer sein; eine Version mit kleinen Seitenschlitzen wäre ebenfalls nett anzusehen.

Gestern habe ich übrigens einen weiteren Schnitt aus dem selben Magazin gezeichnet und vielleicht fühle ich mich heute nachmittag wieder kindisch und albern genug, um ihn zuzuschneiden. Heute vormittag jedenfalls, nachdem ich mit dem Gatten und den Hunden bis in den Ort hinunter wankte und dort mit zwei Frauenzeitschriften und einem Frühstück belohnt worden war, fühlte ich mich fit und munter genug, um mich vor die Kamera zu werfen und das ganz, ganz simple Top zu knipsen.

 

 

Jo, ne – so viel zu fit und munter … ich versichere, es ist Ibuprofen, das mich in diesen Zustand versetzt. Es ist gar nicht auszudenken, wie ich bekifft gucken würde.

 

 

Das ist doch schon viel netter, nicht wahr? Und ist es nicht wunderbar, dass wellige Säume heutzutage einfach lässig weggesteckt werden können?

 

 

Und immerhin auf einem Bild lässt sich die überschnittene und nach oben gerundete Schulterlinie erahnen. Der Stoff ist ein uralter Rest einer zarten Baumwolle in weiß-hellblauen Webstreifen, der zu eigentlich allem in meiner Garderobe passt.

Was ich euch auch hatte zeigen wollen: Wie sich diese schlichten Schnitte ohne Abnäher verhalten, wenn darunter ein anständiger BH getragen wird – also einer, der hebt und formt und teilt. In meinen Augen sieht das nämlich unglaublich gräßlich aus. Weil ich diese Schnitte aber sehr liebe – sowohl nähend wie auch tragend – habe ich mittlerweile zwei Sorten BH im Schrank. Die formenden für alles Taillierte und die, die eigentlich nur minimal heben (was leider mittlerweile nötig wird, meckermecker) und eher – höhöhö – die Bälle flach halten.

So, und nun – solange die Sonne noch nicht ganz hinter den aufziehenden Wolken verschwunden ist – setze mich mit einem ausgewogenen Nudelgericht in Plastikdose auf den roten Sessel und schreibe an Kapitel 12. Und das hört sich nun wirklich an, als wüßte ich, was ich da tue 😀

10 Jahre – was gab’s, wie weiter?

So. Diesen Termin hatte ich mir vor einigen Wochen in den Kalender geschrieben, denn ich bin nicht gut darin, mir Geburtstage zu merken. Auch nicht den meines Blogs. Der heute 10 Jahre alt wird, obwohl die ersten Beiträge nicht mehr existieren und somit als Beweis nicht herhalten können.

Damals hatte ich bei twoday einen Blog angelegt, der schnell viel zu viel Inhalt für meine 5,- € im Monat hatte. Anfangs habe ich immer wieder Speicher freigeräumt und unwichtige Beiträge, überflüssige Fotos und seltsame Kommentare gelöscht. Was ich heute schade finde, auch wenn ich nur selten im Damals wühle. Irgendwann – ich müsste schauen, wann – wechselte ich dann zu meinem jetzigen Anbieter und hoste seitdem selbst. Herrliche Freiheit.

Ist es bezeichnend, war es die Vorsehung, die mich alles hat löschen lassen bis zu dem Beitrag im August 2007, in dem ich davon erzähle, mir eine „Schule des Schreibens“-Ausbildung zu gönnen und die erste Aufgabe vorstelle? Die Schreibschule habe ich nach dem ersten Halbjahr übrigens beendet, weil die beiden Söhne mir die Ruhe dazu nicht mehr gaben. Weshalb ich den Kurs überhaupt belegte? Weil ich mich in meinem Mutter-Hausfrauen-Dasein alt und gefangen fühlte an vielen Tagen und eine erstaunliche Sehnsucht nach Kritik hatte – zu Schulzeiten machte mich das Aufsatzschreiben, am besten in einer Klausur, unglaublich glücklich. Darüber nachgedacht, ob ich jemals öffentlich würde schreiben wollen, habe ich damals nicht. Obwohl ich es da ja schon tat, das öffentliche Schreiben …

Doch wie öffentlich ist ein kleiner Strickblog im Jahr 2007? Sehr, sehr lange ging ich davon aus, dass ich mich relativ unbemerkt mit einer Handvoll anderer toller Bloggerinnen unterhalb jeden Radars amüsierte und ich zucke heute noch zusammen, wenn mir jemand „Reichweite“ attestiert oder ich erkannt werde. Wer mich ein bißchen besser und näher kennt, weiß, dass ich zwar endlos quatschen kann, aber mich doch eher am Rand wohler fühle als in der Mitte. Naja, wer regelmäßig hier liest – tolle Bilder gucken ist hier ja nicht drin – weiß das natürlich auch schon.

Irgendwann also wurde aus dem Strickblog, in dem wenig Persönliches zu finden war, auch ein Nählern-Frust-Blog. Und als der Frust größer, weil die Passform wichtiger wurde, habe ich mir vor aller Augen das Konstruieren beigebracht. Jedes neue Hobby brachte neue Leserinnen, die mir mit Rat und Tat und viel Humor zur Seite standen. Immer mehr tauschte ich mich aus, wurde offener und entspannter und irgendwann schrieb ich über dieses und jenes zwischen den Zeilen.

Vor fünf Jahren kam die schlimme Zeit, in der mein Papa erkrankte, wir nicht wussten, was passiert und ich meine Hilflosigkeit in diesen Blog hinein packte – ich kam mit den Ereignissen nicht mit und funktionierte irgendwie. Es war ein heißer Sommer, den ich heute noch spüre. Der Kleine stand vor der Einschulung, beide Söhne hatten in der letzten Ferienwoche ein Tenniscamp, in dem sie sich den Tag über austoben konnten, während ich apathisch und dauerlesend auf der Terrasse lag und darauf wartete, sie abzuholen und meinen Vater in der Palliativstation zu besuchen. Die Wochen vom 18. Juli – dem Tag, an dem mein Vater das letzte Mal alleine Auto fuhr und mit uns Toms Geburtstag auf dem Chinesischen Schiff feierte – bis zum 27. August, an dem er starb – haben auch diesen Blog verändert. Denn ich schrieb mit täglicher Verzögerung über die Ereignisse und bis heute bin ich dankbar für jeden einzelnen Kommentar und die vielen, vielen Mails, in denen mir vollkommen fremde Frauen von ihren Verlusten erzählten und davon wie ihre Trauer als störend und übermäßig wahrgenommen wurde. Frauen, die mir dankten, weil ich darüber sprach und sie es selbst nicht durften. Und all diese Geschichten haben mir sehr geholfen, denn wir waren nicht allein.

Durch diese Erfahrung war das Schreiben für mich endgültig Ventil für kleine und große Ärgernisse. Wenn mir einer diesen schiefen Elendstage begegnete, ertrug er sich leichter beim Gedanken an den Beitrag, den er ergeben würde – wenn ich mich auch ärgerte, so konnte er einige andere vielleicht zum Lachen bringen. Auch besonders Schönes fand seinen Weg in den Blog. Als ich mich beispielsweise mit dem Kosmetikstudio selbstständig machte – ein Plan, der sehr spontan entstand und an dem mein Vater Anteil hatte, der immer dafür plädiert hatte – war ich überwältigt von der Tatsache, dass meine ersten Kundinnen ausnahmslos Blogleserinnen der näheren Umgebung waren, die dazu bis zum Ende der Studios regelmäßig Termine vereinbarten. Es war ein eigenartiges Gefühl, erst im Laufe des Erstgespräches zu erfahren, dass mir da Frauen gegenüber saßen, die mich kannten. Frauen, die allesamt genauso spannend, toll, witzig, warmherzig, intelligent waren, wie ich mir meine Leserin eben vorstelle. Frauen, deren Lebensgeschichten sich sehr voneinander unterschieden, die verschiedene Hobbies und Interessen und Körper und Gesichter hatten und jede einzelne von ihnen hat mir den Tag verschönt. Und es ist bis heute ein großes Kompliment für mich, dass sie sich mit Umarmungen verabschiedeten und meinten, ich sei im wahren Leben die Selbe, die sie auf dem Blog so mochten. (Und jetzt habe ich etwas feuchte Augen, mal wieder …)

Egal, über was ich lamentierte und klagte, mich ärgerte und aufregte, ob es antifeministische Frauenministerinnen waren oder unerträgliche Moderatoren, ob es um den Flüchtlingsstrom und die rechte Meute, meinen nicht vorhandenen Gottglauben oder um unmögliche Wollqualitäten ging – immer entwickelten sich Gespräche, die mir viel bedeuten. Selbst als es um Regelschmerzen und Wechseljahrsärger ging, fand ich Zuspruch, Hilfe und viel zu lachen. Und jeder Kommentar, jedes Like hat mir meinen Alltag leichter und schöner gemacht. Das Schreiben, das semi-öffentliche Schreiben, das ganz private und persönliche Erzählen ist mir eine Selbstverständlichkeit geworden, weil ihr – die ihr also lest und kommentiert – mich nie peinlich-nackt im Regen habt stehen lassen.

Als nun im letzten Jahr der Topp-Verlag anfragte, ob ich einige Texte für ein Buch verfassen wolle, war das der Anstoss, mich endlich mit einem Wunsch auseinander zu setzen, den ich lange hatte – und der immer wieder von außen befeuert wurde. Ihr, die ihr auch Deutschleistungskurswählerinnen gewesen seid, kennt das: Deutschlehrer, die fest davon ausgehen, ihr würdet wenigstens journalistisch tätig werden oder einen Gedichtband nach dem anderen veröffentlichen oder doch zumindestens eine Verlagskarriere anstreben. Und dann traut man sich eben doch nicht oder ist viel zu beschäftigt, sich durch all die wirklich grandiosen Werke der Weltliteratur zu lesen, mit denen man sich nicht geringsten vergleichen kann.

Ich schrieb also diese Texte, die einigen sehr gefielen. Und schrieb Texte für ein weiteres, besonders schönes Nähbuch, das demnächst erscheint. Das hat mir Spaß gemacht und ein wenig Selbstvertrauen gegeben, aber ich stelle auch fest, dass das Thema Schönheit, Mode, Stil damit erst einmal ausgeschrieben ist für mich. Doch da war noch meine Emma, eine Figur, die ich seit zehn Jahren in mir trage. Ein-, zweimal hatte ich begonnen, sie in einen gemütlichen Krimi zu setzen, doch insgeheim erschien es mir sehr albern und vermessen, ernsthaft etwas schreiben zu wollen – Schund gibt es nun wahrlich schon genug und ob ich etwas anderes hervor bringen könne …?

Meine Freundin, die sich all meine mir wichtigen Texte am Telefon anhören muss, drängelte schon länger; einige andere mir sehr freundliche gesinnte Damen auch. Und so habe ich vor drei Wochen etwa begonnen. Ausgelöst durch einen wirklich heftigen Streit mit dem Gatten, dem ich samt Hunden und großem Sohn in einen Spaziergang entfloh. Über alles mögliche unterhielten sich das sehr schwierige Pubertier und ich uns, irgendwann erwähnte ich wohl, dass ich gerne meine Emma schreiben würde und der Sohn legte los mit einer Mordsstory, bei der ein Mann seine Frau ermordet (und das richten eheliche Streitereien in den Kindern aus!) und deren Schwester das beweisen wollte. Dabei fiel mein Groschen, wie Emmas erste Geschichte sein müsse – sehr persönlich nämlich. Und zwei Tage später schrieb ich los, vom mittlerweilen wieder versöhnten Gatten angespornt.

Ob daraus irgendetwas wird? Wer weiß das schon, aber im Moment schreibe ich täglich, lese es der Freundin vor, die es sehr mag und an den richtigen Stellen lacht oder schluchzt, und habe Proben davon drei Frauen zum Lesen gegeben, die mich zum Weiterschreiben motivieren. Entsprechend still ist es daher manchmal hier auf dem Blog – nix zum Zeigen, nix zum Erzählen. Ich weiß nicht, ob ich es schaffen kann, eine spannende Geschichte zu erzählen, ob ich fertig werde und dran bleibe, aber ich habe ein Vergnügen besonderer Natur für mich entdeckt und schreibe ganz so, wie es für mich passt. Weiter denke ich noch lange nicht. Was ich aber weiß, ist eines: Hätte ich vor zehn Jahren nicht mit dem Bloggen begonnen, hätte ich nicht immer auch ein Miteinander und Hilfe dadurch erfahren, dann säße ich auch jetzt noch hier und dächte, wie wunderbar es ist, dass andere Menschen Geschichten schreiben und wie gern ich das auch täte. Ich hätte auch niemals erfahren, wie wunderbar es ist, Kleidung selbst zu nähen oder in einen Stil komplett einzutauchen, einfach, weil ich ohne diesen Blog nie mit den  Frauen in Berührung gekommen wäre, die mir diese Ideen eingaben und mich auf dem Weg motivierten.

Von dort bis hier sind also nun zehn Jahre vergangen, in denen sich die Welt sehr verändert hat. Ich möchte gerne positiv in die nächsten zehn Jahre schauen, weiß aber nicht so recht, ob mir das gelingt: Was damals wie eine  gut asphaltierte Straße durch schöne Landschaften erschien, ist nun zu einer Autobahn mit einigen Schlaglöchern geworden, deren Ende hinter immer mehr Kurven zu liegen scheint. Ich schaue etwas weniger nach links und rechts, besinne mich etwas mehr auf mich selbst und versuche, nicht zuviel an das zu denken, was hinter der Kurve kommen mag. Ich weiß ja nun, alleine bin ich nicht.