Mehr des Gleichen

Obwohl der Name „Bridget“ für die weiteren Modelle des Tunikaschnittes nicht passt, bleibt es nun dabei – dabei gebe ich meinen Schnitten doch sonst keine Namen. Aber da es wohl noch viele, sehr viele Varianten geben wird, hat er sich einen Namen verdient. Also noch mehr Bridget …

DSCN0838

 

Den Stoff habe ich von Freundin Arlett erhalten, die daraus schon eine wirklich schöne Bluse nähte, die ich probieren durfte. Monatelang lag er nun im Schrank, weil ich trotz Arletts gegenteiligen Beteuerungen befürchtete, er würde mich mit Rutschen und Glitschen ärgern. Tat er nicht, was ich noch immer erstaunlich finde. Dafür hatte ich kurz zuvor eine Leinen-Viskose-Mischung verarbeitet, der sanft fließend und knitterarm war. Solange er unangeschnitten war. Die fertige Bluse benimmt sich wie Quiltbaumwolle – ganz offenbar habe ich momentan kein Stofferkennungshändchen …

 

DSCN0841

 

Man beachte den feinen Unterschied zwischen „Bluse rundum in den Bund gesteckt“ und „Bluse nur partiellt eingesteckt“. Und darf ich – ausnahmsweise – einmal sagen, wie sehr ich mich über die Hose freue? Die in einem Geschäft fand, das normalerweise meinen Geschmack nicht trifft. Und, wenn auch knapp, das ist eine 38 – eine sehr stretchige. Es mag albern anmuten, aber ich fühle mich belohnt.

 

DSCN0840

 

Die Tunika ist nicht nur untailliert, sondern wird nach unten sogar etwas weiter – und ist dennoch so variabel tragbar. Aus dem Leinen-Viskose-Gemisch habe ich eine Bluse genäht, die minimal tailliert ist und darin sehe ich deutlich a-linienförmiger aus. Rätsel der Schneiderei.

 

DSCN0842

 

DSCN0843

 

Ungewohnt viele Bildchen, aber ich fühlte mich so wohl darin. Mittlerweile sitze ich hier im Sportzeugs, weil ich gleich noch mal was tun sollte … also für den Fall, dass es mich überkommt, bin ich passend gewandet.

Ein Sommerkleid – schon einmal getragen …

Was den Sommer anbelangt, bin ich erstaunlich lange optimistisch – auch im September kann es noch herrlich heiße Tage geben. Aber ich muss zugeben, dass ich mit meinem Optimismus in diesem Jahr ins Straucheln komme. Es gab schon schöne Tage, gerade der letzte Sonntag war ein solcher: ich lag den ganzen Tag in unserem Garten im Schatten und außer lesen und daddeln habe ich rein gar nichts getan. Doch ich könnte noch mehr von dieser Sorte vertragen. Schon allein, um die paar Teile tragen zu können, die ich für Glut und Hitze nähte.

Der Schnitt ist, wie mittlerweile meist, simpel: Schulter- und Achselabnäher wurden zugedreht, der Saum vorne leicht gerundet angehoben und die Schulterbreite verringert (da hätte noch mehr weggekonnt). Dazu vorne ein U-Bootausschnitt und hinten ein kleines V, so dass ich mir jeden Verschluß sparen konnte. Genäht ist es aus einem etwas rauerem Leinen in blaugrau mit leichtem Türkisstich.

DSCN0831

 

Bei jedem Schritt fächelt es Luft nicht nur um die Beine, sondern auch bis zu Bauch und Taille – herrlich. Wenn es heiß ist; im Augenblick sieht es eher nach Regen aus.

DSCN0830

 

DSCN0835

 

Ich überlege, wie dieser Schnitt aussähe, nähte ich ihn in Viskose? Zu schlapp? Ober besonders zart und luftig?

DSCN0836

 

Besonders schön ist, dass es sich extrem schnell nähen lässt. Oder ließe, wenn nicht ich es nähe. Ich werde langsamer und langsamer – ein Zeichen des Alters? Sicher nicht der wachsenden Sorgfalt.

 

DSCN0837

Sommerblazerjackencardigan

Schon lange, lange, ganz, ganz lange wollte ich eine Jacke mit einem drapierten Kragen besitzen – so ein lässiges Teil ohne nennenswerte Struktur. Aber einerseits passte diese Art Blazer nicht zu meiner Vintagegarderobe und zum anderen war ich mir nicht sicher, ob das etwas für mich ist. Alles, was zu fließend und un-geschneidert war, schien mir besser zu Figuren zu passen, die eben nicht so sind und da ich alles andere als athletisch und gestählt bin …

Aber es ließ mich nicht los und in den letzten Wochen, ach was Monaten, kam ich wegen ständiger Krankheit und dauernder Kindersorge zu gar nichts außer zu zwei Röcken und einem umgeschneiderten Oberteil – nichts, was sonderlich kreativ oder anspruchsvoll gewesen wäre. Und so viel weiter bin ich nicht gekommen.
Ich schnappte mir den Jacketschnitt und machte den ersten Fehler: ich hatte den Bunka-Blazer abändern wollen und griff stattdessen zum Jacket nach Pepin. Das zu kurz ist, zu breite Schultern hat und irgendwie wenig schnittig ist. Gemerkt habe ich es wann? Natürlich, nach dem Zuschnitt bei der ersten Anprobe. Die Lust, diese Jacke zu füttern, war schlagartig verpufft; zu groß war sie eh nicht gewesen. Sehr zögerlich bastelte ich jeden Tag für einige Minuten weiter: mal kam ein Beleg dran, dann eine Kante, da säumte ich mit der Hand und mal warf ich das Teil in eine Ecke. Zum engen Rock gefiel es mir gar nicht, aber zu kurzen Hosen dann doch. Und irgendwann gestern stellte ich es fertig. Und war nach wie vor ambivalent.

Der Schnitt ist unverändert, nur ist die vordere Mitte um 19 cm verbreitert – kein großer Aufwand also. Der Stoff ist ein tintenblauer Leinen, der sich sehr gut für eine ungefütterte Sommerjacke eignet; die Verarbeitung könnte besser sein. Viel besser. So halb lustlos und verärgert an einem Nähstück herumzusticheln, führt zumindest bei mir zu Nachlässigkeit und Sorglosigkeit. Aber als ich ihn gerade für eine Einkaufsfahrt überwarf, war ich erfreut: genau das richtige für Temperaturen um die 20 C° bei bewölktem Himmel und jetzt, auf den Bildern, finde ich ihn nett:

 

0809

 

Ha, wenn ich mal mit Absicht Elegie und Melancholie nachstellen wollte, es gelänge mir wohl nicht. Im Moment des Kameraklickens denken, der Boden müsse gewischt werden – das ist der Weg zum poetischen Blick. Unbedingt merken!

 

0808

0807

 

Und einmal noch von hinten: ich hätte mir die Jacke deutlich länger gewünscht, allerdings passt sie so nun zu den kurzen Hosen, die ich noch für den Urlaub haben will.

 

0811

 

In den nächsten Tage geht es noch einmal mit dem wunderbaren Kleiderschrank weiter, allerdings haben wir solch einen Brass mit einer der Lehrerinnen des Großen, dass meine Konzentration nicht ungeteilt ist.

Wunderbarer Kleiderschrank: raus, raus, raus! Raus?

kleiderschrank 3

Immer schon habe ich an meinem Kleiderschrank Freude gehabt. Immer schon hatte ich den Hang – lange bevor ich die Farbberatung entdeckte – alles zueinander passend haben zu müssen. Und immer schon habe ich regelmäßig und gnadenlos aussortiert. Manches Mal bereute ich Wochen später den Verlust eines Kleidungsstückes, das ich an eine Freundin weitergab. Und packte bei der nächsten Aktion die Aussortierten in einen Karton unters Bett bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich meinte, sie zu vermissen. Keines der Teile fand seinen Weg zurück in meinen Schrank. Also blieb ich gnadenlos und vermisste danach einige Teile, bis der Kopf mir klarmachte,  ich wäre romantisch-verklärend und er habe gewußt, was er tut. Punkt.

lieblingskleidNun ist es so, dass ich, obwohl ich mir meiner selbst bzw. meines Äußeren unsicher war und mich oft häßlich fühlte, neben anderen Talenten die Fähigkeit hatte und habe, Kleidung zusammen zu stellen, zu ordnen, zu kombinieren und das auch immer selbstverständlich von anderen annahm. Es gibt in meinem Schrank nichts, was sich nicht auch mit allem anderen tragen ließe – im schlimmsten Falle sieht die Zusammenstellung trutschig oder exzentrisch aus. Schon als Vierjährige hatte ich einen entschiedenen Geschmack, liebte intensiv oder hasste von Herzen, was mir an Kleidern und Röcken vorgelegt wurde. Schaue ich heute Kinderbilder an, so waren meine Lieblinge samt und sonders in meiner Farbpalette, waren eher schlicht und klar geschnitten und standen mir besser als die Hassteile, denen ich auf Bildern noch immer ansehe, wie unangenehm sie mir am Leib waren. Durch meinen Beruf merkte ich, dass es nicht allen Frauen so geht. Vermutlich traue ich mich deshalb an dieses Thema ran.

Natürlich ist es bei mir nicht anders als bei jeder anderen: manchmal erweist sich eine Zusammenstellung oder ein einzelnes Teil als Niete. Meist, wenn es einen ganzen Tag getragen wird. Was morgens immerhin nett (doch nie umwerfend) aussah, ist am Nachmittag nur noch dröge und es ist fast körperlich zu spüren, wie diese Kleidung immer mehr mein Wohlbefinden bestimmt.
Manches sitzt schlicht nicht: morgens vorm Spiegel konnte der Rock noch zurecht gezupft werden und sah im Stehen gut aus. Nach der Fahrt zur Arbeit oder dem Gang zum Bäcker erhasche ich einen Blick in einem heimtückisch angebrachten Spiegel und sehe, wie es am Po spannt, die Seitennähte rotieren und der Pulli sich hochzieht – und will nur noch nach Hause und raus aus diesen Verräter. Das gehört zum Leben dazu. Meist gebe ich diesen Stücken eine zweite Chance, denn vielleicht hatte ich einen schlechten Tag und sie konnten nichts dafür. Wenn sie mir beim zweiten Versuch noch immer nicht ewige Liebe und Treue schwören, warte ich nicht auf die nächste Sortieraktion: sie kommen fort. Sofort. Für immer. Doch viele Kleiderschränke, in die ich schauen durfte, enthielten eine Unmenge solcher Teile. Und weshalb? „Ja, aber … wenn ich die alle rauswerfe, dann habe ich doch nichts mehr zum Anziehen?“

Ich denke, da sind wir uns einig: in dem Fall ist es wirklich Zeit, auszumisten und sich zu überlegen, was man von seiner Kleidung will und braucht. Doch so verzweifelt musst du gar nicht sein, um einen Sinn im Auf- und Ausräumen zu finden. Abhängig davon, welcher Kleiderschranktyp du bist, warum du dieser Typ bist und welcher du sein möchtest, gehst du ran an die Arbeit. Raus mit allem, was nicht (mehr) zu DIR passt. Raus entweder in die Altkleidersammlung, als Geschenk für die Freundin, sinnvoll gespendet oder einfach in die Tonne.

Mach dich also ran an den Schrank. Liest du dich durch Blogs und Portale, dann gibt es all diese Regeln, die quer durchs Netz und zurück rennen, ausgelöst vor allem durch den seit einigen Jahren andauernden Trend des capsule wardrobe, der im Grunde nichts anderes ist als eine gigantische Verkaufsmaschine, seitdem er sich von seiner Ursprungsidee – eine überschaubaren Garderobe bestehend aus wenigen, aber qualitativ hochwertigen Kleidungsstücke, die sich aufgrund ihres klassischen Schnitts und ihrer neutralen Farben vielfältig kombinieren lassen – entfernt hatte. Eine der beliebtesten Varianten scheint die 333 zu sein: 33 Teile für 3 Monate. Was am Ende des Jahres dann doch die Summe von 132 Teilen ergeben kann. Von denen manche gekauft und ensorgt wurden innerhalb weniger Wochen. Ups. So minimalistisch klingt das nicht, vor allem dann nicht, wenn man sich die Tipps zum Ausmisten vornimmt und beherzigt. Da wird nämlich so rigide ausgemistet, dass danach keine 33 Teile mehr vorhanden sind. Die werden dann – watt mutt, datt mutt – ersetzt. Mit wichtigen Basics und den unverzichtbaren Trendteilen, die verhindern, dass du – bewahre! – unmodern wirken könntest.

kleiderschrank

Wir sagen es jetzt schon im Chor: versteht mich nicht falsch. Wer sich eine solche Garderobe bauen möchte, genügend Finanzen hat, um vieles zu kaufen (sei es Kaufkleidung oder Stoffe), der hat dazu jedes Recht und es macht sicherlich Spaß. Aber die meisten von uns mögen ihren Kleiderschrank vielleicht etwas voller oder trennen sich vom Selbstgemachten nur ungern. Und wollen am Ende gar ihr Hobby nicht aufgeben, nur weil die Minimalgrenze überschritten wurde. Da zitiere ich jetzt mal Küstensocke:

Mit diesen capsule wardrobe kann ich nichts anfangen auch nicht mit dem minimalistischen kleiderschrank. Hallo, ich nähe gern und auch gern viel – was soll ich mit einem minimalistischen Kleiderschrank.

(Ich möchte übrigens, wenn ich hier endlich durch sein werde, ein Best of Kommentare-Beitrag als Abschluß dranhängen – so viele gute und wahre Worte!)


Also lasst uns die bekanntesten Ausräum-„Gesetze“ einmal genauer anschauen:

Sehr gerne wird empfohlen, drei Stapel zu bilden, die typisch Mensch mit Ja, Nein und Vielleicht bezeichnet werden sollen. So weit, so originell. Unter „Ja“ seien abzulegen all die Kleidungsstücke, die

  • unverzichtbare basics sind
  • schon beim Anschauen ein Glücksgefühl in dir auslösen
  • dich schön, stark und selbstbewußt machen
  • sich gut kombinieren lassen
  • du täglich tragen könntest.

Der „Vielleicht“-Stapel ist weniger klar definiert, das liegt wohl an seinem vagen Charakter. Es scheint, dorthin gehören die Dinge, die

  • du gerade erst gekauft hast
  • dir geschenkt wurden
  • dir eigentlich gut passen
  • kein überwältigendes Glücksgefühl auslösen.

Zu guter Letzt folgt der Stapel „Nein“. Er sammelt all die Teile auf sich, die

  • unrettbar zerrissen, verfleckt oder sonstwie beschädigt sind
  • dir nicht mehr passen
  • sich mit nichts kombinieren lassen
  • du seit 1 Jahr/6 Monaten/1 Saison lang nicht getragen hast
  • unmodern sind
  • doppelt und dreifach in deinem Schrank hängen
  • nicht mehr zu deinen Lebensumständen passen.

Tja. Was kann ich sagen? Meiner Meinung nach sind natürlich viele kleine Wahrheiten in solchen Listen enthalten, doch möchte ich mein Veto einlegen; für den Moment jedoch lassen wir diese Auflistung so stehen. Ich selbst mache es mir sehr viel leichter, denn ich bilde zwei Stapel – Ja und Nein. Wem hat ein Vielleicht schon jemals weiter geholfen?
Entscheide dich spontan-überlegt: im Grunde deines Herzens weißt du, welche Teile dir stehen und welche nicht. Welche gut sitzen und welche kneifen oder schlottern. Was mit Widerwillen getragen wird und was du „für gut“ (zu sehr) schonst. Was du also unbedingt behalten will, kommt auf Ja; was dir nicht gefällt, auf Nein.

Den Nein-Stapel schiebst du beiseite und widmest dich dem Ja. Nimm dir Zeit, mach dich vielleicht sogar hübsch, denn dann schaust du viel lieber in den Spiegel. Mir zumindest geht das so – ich will meine Kleidung und mich im besten Licht sehen. Denn es geht ja nicht primär um den Schrank, sondern um mich. Um Selbstbewußtsein, um Wohlgefühl und auch um das immer wieder neue Entdecken der eigenen Schönheit. Oh, Pathos! Also ran an den Stapel.

Ich probiere durch, weil der Kopf den Bauch bestätigen soll. Passt wirklich alles zu mir? Finde ich neue Zusammenstellungen, an die ich im Alltagstrott noch nicht gedacht habe? Gibt es etwas zu flicken, zu kürzen oder zu waschen? Gibt es neue Favoriten, die mich zu den nächsten Käufen oder Nähstunden inspirieren? Will ich mehr von diesem, weniger von jenem? Meist finden sich noch ein paar Teile, die nicht mehr so eindeutig Ja sind. Ist das Ja ein klares Nein geworden, leg sie NEBEN den Nein-Stapel: sie kommen definitiv weg. Passen sie nicht mehr so recht, aber du magst dich nicht trennen, häng sie zurück in den Schrank – sicher ist sicher. Lass dich nicht von dem Gefühl, endlich einmal so richtig auszumisten, davon tragen.

Dein Ja-Stapel ist durchgearbeitet, die Zeit rannte dahin – ich rate da zur Pause. Bei Tee und Keksen oder Salat und Saft lasse ich dann gerne die neuen Lieblinge Revue passieren und freue mich, wie unglaublich fantastisch ich in allem aussah. Euphorie und Endorphine soll man genießen: Wenn du jetzt nicht verliebt in dich bist, dann weiß ich es auch nicht. Ein alberner Gedanke vielleicht, aber schön eben auch.

Nach der Pause: zurück zum Schrank und einräumen. Ich plädiere ja sehr für einheitliche, schmale Bügel, damit dir dein Schrank bei jedem Öffnen das Gefühl von Ordnung, Harmonie und Qualität gibt. In manchen Dingen bin ich aber auch fanatisch. Wer mich nun übrigens für ordentlich und aufgeräumt hält … das ist sehr speziell. Es kann bei uns schon mal hübsch chaotisch bis heftig duurcheinander sein. Oft sogar. Was bei mir aber immer, immer wohlsortiert sein muss, das sind Bücherregale, Filmsammlungen und Kleiderschränke. Dafür darf dann etwas überm Sessel hängen oder auf dem Boden liegen. Man kann nicht alles haben.

Gut, alle Jas dürfen zurück in den Kleiderschrank. Sortiere so, wie es dir entspricht: bist du eher unsicher bei der Zusammenstellung, so hänge doch die besten Kombinationen zusammen. Bist du ein Augenmensch, den Höhen- und Längenunterschiede stören, dann sortiere nach Ober- und Unterteilen. Willst du deine Farben zur Geltung bringen, so hängst du alles von hell nach dunkel, von Nuance zu Nuance. Oder übertreibe es wie ich es tue: Hosen, Röcke, Blusen mit langem Arm, kurzem Arm, ärmellos, Feinstrickpullis, T-Shirts und jede Sparte nach Farben sortiert – Bücher werden ja schließlich auch nach Sparte UND Autoren sortiert.  Wie auch immer du einräumst: gerne hineinschauen solltest du jetzt.

Und müde, lustlos und erschöpft, wie du nun bist, ist es die perfekte Zeit für den Nein-Stapel. Es gab Gründe, weshalb diese Teile hier vor dir liegen und nun bist du in der richtigen Stimmung für die Abrechnung. Wieder gehst du jedes Teil durch und teilst auf zwischen abgetragen, unsicher und dem klarem Nein, auf dem schon die Ex-Jas liegen. Was geschieht mit welchem Stapel?

Abgetragen

Zuerst geht es an den Stapel mit der abgetragenen, verfleckten oder zerrissenen Kleidung. Ist es ein geliebtes Teil, dass beim Robben durch Brombeerhecken einen Riß davon getragen hat, so fiele dir wohl noch etwas zur Rettung ein und sei es ein aufgebrachter Metallreißversschluss. Aber selbst wenn du ein solches Stück nicht retten kannst oder magst, kann es nützlich sein. Beispielsweise kannst du mit dem knielangen Kleid oder der knöchellangen Hose Saumlängen testen, in dem du immer weiter abschneidest und dir die Längen notierst, die dir gefallen. Du kannst Ausschnittformen einschneiden, Ärmel entfernen, du kannst mit diesem Teil spielen, wie du willst. Und ihm zu guter Letzt Knöpfe, Reißverschlüsse und Gürtel entnehmen, bevor du es zu Schräg- und Paspelbändern oder Belege zerschneidest. Und dann kann es weg. Eigentlich ein Tipp, auf den jede von selbst kommen kann. Aber manchmal nicht kommt. Ich bin ehrlich gesagt erst vor ein paar Wochen auf die Idee gekommen und habe mich danach erst an kniefreie Kleider gewagt …

Unsicher

  • Die Teile, bei denen du dir unsicher bist – an was liegt es? Zieh sie an, schau dir ins Gesicht:
    Steht dir die Farbe, aber die Form ist nicht deines – kombiniere. Mit einem Unterziehtop, mit einem Blazer, einer anderen Hose. Immer noch nicht gut? Dann weg mit Schaden.
  • Ist es zu weit, dann überlege, ob du daraus etwas anderes zuschneiden kannst und lege es zu den Versuchsobjekten. Wenn du am Umändern keine Freude hast, dann denke daran: jedes Jahr ist Weihnachten und danach passt es vielleicht perfekt. Auch nicht? Und fort damit.
  • Ist es zu eng? Lässt es sich weiter machen, in dem du etwas auslässt oder etwas zwischensetzt? Schwankt dein Gewicht eh immer zwischen zwei oder drei Größen? Wird es dir also noch einmal passen? Alles nein? Dann auf den Stapel, der das Haus verlassen wird.
  • Ist es ein Teil, das außerhalb deines üblichen Stil liegt? Traust du dich nicht, es zu tragen, weil es dir zu fremd, zu anders erscheint? Dann überlege doch mal, ob es vielleicht den Grundstock zu einer ganz neuen Garderobe bildet oder ob du es deshalb hast, weil dir alles andere zu langweilig wird. Zieh es an und behalt es an, bis du mit deiner Arbeit am Schrank fertig bist. Fühlt es sich gut an, steht es dir oder zuppelst du immer dran herum und fühlst dich verkehrt? Lässt es sich zu einem der Ja-Teile spannend kombinieren? Nur du kannst beantworten, was es mit diesem Teil auf sich hat und welche Bedeutung es für dich hat. Nach den zirkulierenden Listen müsste es wohl weg. Aber vielleicht bist du eine heimliche Stilwandlerin, die langsam erwacht? Vielleicht trägst du im nächsten Jahr keine Anzüge mehr, sondern kommst jeden Tag anders um die Ecke?

Hachja, die Beschäftigung mit Oberflächlichem geht ganz schön in die Tiefe. Denn es geht nicht um das Kleidungsstück an sich, sondern um wen? Genau, um die Hauptperson. Um DICH. Und da darfst du schon mal ein Viertelstündchen auf einem Kleiderstapel sitzen und darüber grübeln, wer du bist und was du zeigen willst von dir.


Am Ende des langen Tages hast du einen aufgeräumten Kleiderschrank, eine vermutlich nicht zu kleine Tüte an Aussortiertem und einen volleren Nähkorb. Dazu hoffentlich Inspiration ohne Ende und eine Idee davon, was du unbedingt öfter nähen oder kaufen solltest.

Lasst mich jetzt noch einmal zu der Nein-Liste kommen, die sich auf all den Ratgeberseiten findet. So rigoros ich selbst ausmiste: nie käme ich auf die Idee, ein Teil zu entsorgen, nur weil es eine gewiße Anzahl an Wochen nicht getragen wurde. Oder weil es unmodern ist. Oder weil ich ein Dutzend ähnlicher Stücke im Schrank hängen habe. Bist du nämlich die Puristin mit ihrem perfekten Kleiderschrank, so heißt das noch lange nicht, dass dort nur EINE dunkelblaue Hose und NUR ein geblümtes Sommerkleid enthalten sein dürfen. Damit diese Teile lange getragen werden können, brauchen sie Ruhezeiten und wenn dir dunkelblaue Hosen besonders gut stehen, spricht nichts dagegen, davon mehrere zu haben, wenn sie auch nur für dich unterschiedlich sind. Jajaja, erwischt, die mit den dunkelblauen Hosen bin ich. Und jede ist ein wenig anders und verschafft mir ein anderes Tragegefühl. Die eine wird gekrempelt, die andere nicht. Jene braucht einen Gürtel, bei der anderen verzichte ich darauf. Eine ist etwas weiter, die andere formt. Wer also viele ähnliche Teile im Schrank hat, überlegt erst einmal, weshalb das so ist.

Alle

Und wer auf die Siebziger steht oder die Dreißiger, wer sich besonders romantisch oder eher androgyn kleidet, wer also seinen ganz eigenen Stil hat, darf sich mit Recht fragen, weshalb die Modernität ein Entscheidungskriterium sein soll. Und diesen Rat ganz schnell vergessen. Ebenso kann sich die Archivarin mit ihrem Schrankinhalt für jede Gelegenheit und jedes Wetter fragen, weshalb sie den wunderbaren Kimono vom Flohmarkt oder die Lederjeans für Rockkonzerte entsorgen soll, nur weil sie ein halbes Jahr lang nicht getragen wurden. Für sie macht das keinen Sinn. Oder wenn du planst, deine schönsten Teile deiner noch ungeborenen Tochter zu hinterlassen – schaff dir Platz unterm Bett, im Keller oder auf dem Dachboden, aber lass dich nicht verleiten, geliebte Kleider zu verschenken, nur weil du sie nicht trägst. Denn die wirklich gifitigen Kleidungsstücke, in denen du dich unwohl fühlst, die dir nicht stehen, die hast du schon aus dem Haus.

Was ich sagen will: verliere dich nicht aus dem Auge. Wenn du Auswahl und Fülle willst, sortiere zurückhaltend aus. Willst du deinen Stil komplett ändern: geh gnadenlos ran, aber verstaue die nun ungeliebten Teile erst einmal an einen sicheren Ort. Hattest du nur billige Klamotten und alte Fetzen im Schrank und entdeckst dich endlich/wieder/neu: raus, raus, raus mit all dem und wenn erst einmal nur eine Jeans und eine Bluse übrig bleiben. Denk aber auch an die Gelegenheiten, die nach Arbeitskleidung rufen, die verschmutzt und zerrissen werden darf: es ist sicherlich sehr erhebend, eine Garderobe zu besitzen, die dich in jeder Gelegenheit zur Dame macht. Blöd, wenn die Dame dann mal schnell streichen muss oder das Kind aus dem Matsch retten muss.

Hachja, ich gebe zu, dass ich mit diesem Teil der Serie sehr hadere, denn es geht mir vieles im Kopf umher und die Grenzen zu den anderen Bereichen sind so schwammig. „Wie stelle ich eine für mich passende Garderobe zusammen“ lässt sich nur schwer von diesem Ausräum-Teil trennen. Und schon gar nicht will ich ein Regelwerk durch eine Gebrauchsanweisung ersetzen. Seht es mir nach, wenn alles etwas diffus und wirr ist. In Worte zu fassen, was ich früher für andere und mit ihnen getan habe, ist nicht leicht. Mir geht es darum, dass du für dich harmonisch und stimmig bist und ich weiß, dass viele Frauen damit hadern, aus welchen Gründen auch immer. Es geht nicht in erster Linie um das Optimieren des Körpers – ob mit Diät, Sport oder Kleidung, obwohl das genau dann das Richtige ist, wenn du das willst. Was immer du in dir sehen willst, wie immer du wahrgenommen werden willst – das ist Entscheidende. Da wir aber auch gerne als angenehm und attraktiv und freundlich wahrgenommen werden wollen, schadet ein strenger Blick in den Spiegel eben nicht.

Wenn ich mich selbst als romantisch-versponnen erlebe, dann frage ich mich, ob ich so wahrgenommen werden will oder nicht. Will ich mich verbergen und schützen, so wird meine Garderobe für die Außenwelt kühl-sachlich sein und für die Freizeit verspielt und feenhaft. Kann ich mich aber nicht meiner Uniform entsprechend verhalten, ist es vielleicht besser, sich nach der Persönlichkeit zu kleiden und daraus mehr Kraft und Durchsetzungsfähigkeit zu ziehen. Ihr seht, ich mache mir vermutlich viel zu viele komplizierte Gedanken, die im täglichen Leben gar nicht so wichtig sein mögen. Für mich waren sie wichtig, weil ich nur so in der Lage war, Frauen keinen fremden Stil überzustülpen, nur weil er ihre Hüften schmäler erschienen ließ, ansonsten aber die ganze Frau verkleidete. Wie auch immer, jetzt hast du dir eine Stärkung verdient. Danke, wenn du bis hierhin dabei geblieben ist, ich habe mich dieses Mal unendlich schwer getan.

Wunderbarer Kleiderschrank: Stilregeln

Für den Fall, dass das noch nicht deutlich genug zum Ausdruck kam: ich hasse Regeln, die nicht als Vorschlag, sondern als Verbot und Einschränkung daher kommen, wo sie keinen Sinn machen. Ein Verkehrsschild, das mich zum Halten vor einer gefährlichen Kreuzung zwingt: macht Sinn, denn bei Nichteinhaltung gefährde ich mich und andere. Warum ich aber dieses oder jenes partout nicht tragen dürfen soll, nur weil es meine Figur nicht in Richtung begehrenswerter Männertraum optimiert, leuchtet mir nicht ein – wen gefährde ich, wenn ich meine breite Hüfte nicht mit breiten Schultern ausgleiche? Stürzt die Welt ein, wenn die dicke Frau ihr Bein blitzen lässt oder wenn die Dünne ihren Hüftknochen nicht abpolstert?

Und schon wieder sage ich: versteht mich nicht falsch. Ich meine gar nicht einmal, dass all diese Stilregeln sinnlos sind oder dass ich nicht auch bei manchem Anblick erstarre und erschrecke. Denn den meisten unter uns ist ein  Sinn für Schönheit, für Ästhetik gegeben – das Auge erfreut sich am Harmonischen und Symmetrischen und an dem, was schon der Höhlenmensch als Zeichen von Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit interpretierte. Und natürlich wollen wir dieses Befürfnis am Schönen auch erfüllt sehen beim Blick in den Spiegel. Selbstverständlich gibt es Kleidung, die uns besonders schön macht oder aber uns entstellt und bei letzterer neigen Frauen dazu, sie als Wahrheit anzuerkennen. Das gewöhnen wir uns bitte ab. Jetzt. Sofort. Für immer.

Gehen wir also davon aus, dass wir alle am liebsten so gut wie möglich aussehen wollen und uns darin so gut wie möglich FÜHLEN wollen. Dann müssen wir uns mit unseren körperlichen Gegebenheiten auseinander setzen. Ehrlich. Mit jedem Hubbel und jeder Beule. Das müssen wir Hobbyschneiderinnen sowieso, ansonsten passt am Ende nichts. Aber wir müssen uns auch akzeptieren und mögen (lernen). Was doch auch bedeuten sollte, unsere Unterschiede als wesentlichen Teil unserer Person anzunehmen. Jede von uns hat neben dem seit Jahrtausenden vererbten Schönheitsbild auch eigene ästhetische Vorlieben entwickelt: so wie die Eine auf blonde, leptosome Männer steht, so fühlt sich die andere vom dunkelhaarigen Gemütsbären angesprochen. Sich selbst aber optimiert sie mithilfe all der so überreich angebotenen Kleider- und Figurvorschriften in Richtung Sanduhr. Polstert die Oberweite mit uniformen T-Shirt-Bhs aus, verdeckt die dünnen Oberarme unter Puffärmeln oder trägt lange Cardigans auch im Sommer, um den runden Po zum Schmelzen zu bringen. Sie misst sich ab, um die zu kurzen Beine, die zu breite Hüfte oder den kurzen Hals in die korrekte Proportion zu schummeln. Verzichtet auf Gürtel oder schlingt sie zwanghaft um alles, sucht nach der einzig wahren Hosenlänge und dem perfekten Rock für Leben.

regel

Das ist alles absolut in Ordnung, wenn du mit dem Ergebnis zufrieden bist und nicht dennoch vor dem Spiegel stehst und ernsthaft über Fettabsaugungen oder Silikoneinlagen nachdenkst oder dir das Leben sonstwie vermiest, weil du einfach nicht so aussiehst, wie du es dir oder andere sich vorstellen. Der immer großzügig mitgelieferte Tipp, doch zu betonen, was man besonders an sich mag, ist dann hinfällig, falls du zufällig deinen Minibusen oder deine stämmigen Waden besonders liebst. Und dazu kann ich nun noch einmal Lottie zitieren:

Und als kleine Anekdote zur Stilberatung: ich habe wirklich breite Schultern und eher muskulöse Oberarme (nicht unbedingt gewollt, sondern einerseits genetisch veranlagt und meiner Sportliebe wegen). Viele Kleider sehen irgendwie blöd aus und alles was die Schultern noch mehr betont und wovor jede Stilberatung wahrscheinlich warnen würde. Mein Mann findet das aber sehr sehr toll und mag gerade diese „Schwachstelle“ so gerne und ermutigt mich, schulterbetonende „athletische“ Kleidung zu tragen. Das ist doch irgendwie schön, eine „Schwachstelle“ meines Körpers wird als schön angesehen. Und ich habe mir übrigens ein ganz tolles Tank-Top Bikinioberteil gekauft, das meine Schultern noch viel mächtiger erscheinen lässt 😉 aber ich fühle mich wohl darin.

Wer sich in den letzten Tage eine strahlende Lottie in ihrem Hochzeitskleid angeschaut hat, weiß genau, wovon sie spricht. Ich finde das Kleid perfekt gewählt, weil es zum einen NICHT versucht, aus einer sportlichen Figur eine laszive Sanduhr zu machen und zum anderen weil es genau das tut, was das perfekte Kleidungsstück tun sollte: es passt zu ihrer Persönlichkeit, es betont ihre Besonderheit und es ist Anlass und Umgebung angemessen. Harmonie pur. Ich mag mir gar nicht vorstellen, in was Lottie hinein gezwängt worden wäre, hätte man ihre Schultern als zu unbräutlich betrachtet …

Lasst mich da noch einmal persönlich werden: während ich über einige Jahre hinweg an meiner Vintagegarderobe arbeitete und sie auch noch täglich trug, bekam ich immer wieder Kommentare, die streng darauf hinwiesen, dass das nichts für mich wäre. Mein Oberkörper sei zu kurz, meine Hüften zu breit und so richtig jugendlich sähe das auch nicht aus. Das ist alles richtig. Irgendwie. Wie man sah, habe ich dennoch weiter gemacht. Nicht, ohne mich manchmal für eine Viertelstunde zu ärgern, weil Kritik ja nie der Höhepunkt des Tages ist. Warum habe ich mich nicht bekehren lassen? Aus zwei oder drei Gründen:

  1. Als (früher) immer zu Dünne habe ich jahrelang darunter gelitten, dass ich mich selbst als zu wenig weiblich aussehend fühlte. Daran änderten anderslautende Bekundungen der Menschen in meinem Umfeld nicht viel. Mit der Geburt meiner Söhne, dem üblichen Abrutschen in Still- und Spielplatzkleidung entdeckte ich meine Freude am Handarbeiten erneut und die verband sich recht bald mit meiner immer schon vorhandenen Vorliebe für die Eleganz und Weiblichkeit der 30er und 40er. Und meinen Freundinnen und mir gefiel es. An mir. Es ist ein Stil, der über-weiblich ist und der mir genau das vermittelt hat: du bist innerlich wie äußerlich Frau, Frau, Frau. Eine gute Erkenntnis.
  2. Sas Selberzeichnen der Schnitte und mein Selbststudium der nötigen Technik war eben auch eine Herausforderung, die mich reizte: kann ich es schaffen, Kleiderschnitte zu konstruieren, die denen nachempfunden sind, die mich als Kind auf der Leinwand begeisterten? Kann ich sie nähen, kann ich einen Kleiderschrank so füllen, dass ich am Montag als Sommer 1938 und am Mittwoch als Herbst 1944 auf die Straße treten kann? Habe ich geschafft. Ich habe etwas hinbekommen, was ich mir niemals zugetraut hätte und darauf bin ich verdammt stolz.
  3. Ich beruflich so ziemlich alles gelernt, was mit weiblicher Schönheit zu tun hat. Und kenne all die Regeln in- und auswendig. Ich habe sie gebrochen. Ich habe eine Silhouette für meine Figur übernommen und ich habe mich in den allermeisten dieser Teile sehr, sehr wohl gefühlt. Ich habe mich mit meiner hohen Hüfte, meinem geraden Oberkörper, den langen Armen und Beinen arrangiert. Fast akzeptiere ich sogar mein Bäuchlein und den flachen Po (man kann nicht alles haben 😀  ) In meinem Umkreis hat man mich als attraktiv wahrgenommen, obwohl meine Figur nicht nach 08/15 optimiert war. Man hat mir Türen geöffnet, Tüten getragen, wohlgesetzte Komplimente gemacht. Weil diese Kleidung, die ihr innewohnende Ästhetik, zu hunderprozent zu meiner damaligen Einstellung und Ausstrahlung passte. Und weil ich farblich immer innerhalb meiner Palette geblieben bin, die die Blicke in mein Gesicht zwangen. Denn Farbe schlägt Form. IMMER.

Warum habe ich es geändert? Weil die betonte Taille unbequem wurde, nun, wo sich meine Figur ändert, weicher wird und andere Ansprüche an Wohlfühlkleidung stellt. Und weil wir eine politische Atmosphäre haben, die mich von jeder nur denkbaren Annäherung an rechte Thesen und ihre Akzeptanz Abstand nehmen lässt. Da wollen manche das Dritte Reich wiederherstellen und dem setze ich Modernität entgegen, so gut ich nur kann. Auch habe ich mich an dem Stil etwas satt gesehen und hatte Lust auf neue Schnitte, neues Lernen, auf Ausprobieren und (wieder)Entdecken meiner anderen Vorlieben. Dass all das einher geht mit Optimierung meiner Figur – das ist ein Nebeneffekt, der mir das Altern zur Zeit versüßt.

Was also will ich eigentlich? Ich möchte mehr Bandbreite in dem, was neben klassischer Schönheit existiert. Ich möchte nie mehr lesen müssen, wie eine hübsche Mitbloggerin sich dieses oder jenes Kleidungsstück verbietet, weil sie angeblich eine Birne sei und da dieses oder jenes nicht ginge. Und das obwohl ich mir genau das vielleicht wunderbar an ihr vorstellen kann. Entscheidend ist, worin ihr euch wohlfühlt und das hängt in erster Linie von eurer Persönlichkeit ab. Wer mit Blicken und Sprüchen anderer nicht gut klarkommt, sucht sich Kleidung, die davor beschützt. Wer gerne im Mittelpunkt steht, trägt das, was sie dort hin trägt. Wer so perfekt wie möglich ausspiegelsehen will, optimiert sich, so gut es geht. Nutzt all diese Stilregeln so, wie ihr es wollt, aber hinterfragt sie. Wenn du mit deiner Figur zufrieden ist, dann betone sie und versuche nicht, sie dem Ideal anzupassen. Und deine Figur darf dir gefallen, egal, wie wenig genormt sie sein mag.

Wie also kommst du zu deiner perfekten Garderobe, die dich immer gut aussehen lässt, egal zu welchem Wetter, welchem Anlass oder welcher Laune? Probiere dich aus. Verliebe dich in dein Spiegelbild, entscheide aus dem Bauch heraus oder lasse deinen Kopf bestimmen. Teste ungewohnte Formen und das, was du dich bislang nicht trautest. Aber das geht schon in Richtung Schrank ausräumen und bestücken, für heute reicht es. Das war nun mehr ein Rant als ein fundierter Artikel, aber es war mir wichtig.