Lesen bei Corinne und große Ehre für mich

Ich gehe davon aus, dass ihr Corinne von makellos mag kennt, lest und schätzt – wer das bislang nicht tut, ändert es bitte schleunigst. Immerhin hat sie in ihrer relativ kurzen Zeit als Bloggerin, die Feminismus mit Witz, Satire und klugen Überlegungen verbindet, schon den Grimme Online Award gewonnen. Wenn das nichts ist!

Und so freute ich mich wie jeck, als Corinne fragte, ob ich ihr einige Fragen zur Schönheit beantworten wolle. Natürlich habe ich ja gesagt und natürlich habe ich wieder einmal losgeplappert, ohne lange nachzudenken. Gut, so kennt ihr mich ja. Und wer das nachlesen mag, klickt auf das HIER. legt los und fügt makellos mag der Leseliste hinzu.

Das Glück kommt auf vier Pfoten

Seit ich denken kann, liebe ich Katzen. Mit einer Inbrunst, die meine Umgebung oft Zeit und Nerven gekostet haben mag. Mein Ich als Kind und Katzen: wir liebten einander und verstanden uns. Schnell hatte ich gelernt, Katzen zu mir zu locken. Mit Geduld, mit liebevoll-bewundernden Schmeicheleien, der flach am Boden ausgestreckten Hand und wahrscheinlich einem Flehen im Blick, dem kaum eine widerstehen konnte. Ich erinnere mich an Sonntagsspaziergänge, die immer und immer wieder unterbrochen wurden von meinem Verharren an unbequemen Orten, eine schnurrende Katze auf dem Schoß. Seligkeit.
Meine intensivste Erinnerung ist ein Samstagnachmittag in der Eifel, vor der Ferienwohnung der besten Freundin auf einem Bauernhof. Stolz hatte sie mir erzählt, dass sie an den Eifelwochenenden nun auch Katzenmutter sei und dass bald Junge kämen. Als ich das nächste mal mitdurfte, waren die Jungen bereits munter und lebendig. Zu meiner Freude und ihrem Frust näherte sich die Mutterkatze mir, ließ sich kraulen und streicheln, verschwand auf einmal und brachte eines ihrer Kätzchen nach dem anderen auf meinen Schoß. Denke ich daran zurück, so kann ich die harte Holzbank noch spüren und den sengend heißen Sommertag. Und die vier Kleinen und die eine Große, die sich auf meinem Schoß ineinander knoteten, vibrierend schnurrend und eifersüchtig darüber wachten, gleichmäßig verteilte Streicheleinheiten zu erhalten. Das Verhältnis zur besten Freundin war für ein, zwei Tage ein wenig angespannt … aber hach …

Mein erstes Tier jedoch war ein Kaninchen, das meine Katzensehnsucht nicht stillen konnte. Es war wohl gegenseitig, das Mißtrauen, denn es war recht bissig, ständig auf der Flucht vor allem und jedem und saß es auf meinem Schoß, so durfte ich es nicht anfassen, mich nicht bewegen und nichts sagen – es nahm mich in Besitz  und war garstig. Es verließ uns, um in ein Gartengehege zu ziehen und das war mir nur recht. Jetzt war der Weg frei für MEINE Katze. Es dauerte noch ein wenig, doch eines Tages zog Mucki bei uns ein: der Siamkater meines Lebens. Und er war MEIN Kater. Ich erzählte es schon, ich war ein Schlüsselkind, das des Nachmittags alleine im Haus war und hatte nun mein Tier bei mir. Er schlief in meinem Bett, er folgte mir durch die Wohnung, er spielte, er erzählte – und Siamesen erzählen viel – und schmuste. Er ließ sich bürsten, forderte es sogar deutlich ein, schätzte den Garten nicht sehr und verweigerte das Verlassen der Wohnung schon bald – er wußte Luxus und Wärme und weiche Kissen zu schätzen. Mucki war meine ganz große Liebe und der beste Freund.

Vor Hunden hingegen hatte ich Angst. Vor jedem Hund. Vor ihrem Gebell, ihrer Hektik, ihrem Geruch, vor der nassen Zunge, dem Schnaufen – nichts war mir felin genug. In meinen Augen konnten sie mit dem Fell, der Anmut und dem Selbstbewußtsein von Katzen nicht konkurrieren. Doch in unserem Haus befand sich ein Ladenlokal, dessen Privaträume auf unseren Hof hinaus gingen – ein Balkon führte über einige Stufen hinaus und auf diesen Stufen saß auf einmal Amigo. Amigo war ein fast schon hysterischer, ständig wütend kläffender Rehpinscher, dessen winziger Körper zitterte und bebte, selbst wenn er still dalag. Wer immer den Hof betrat, wann immer er ein Geräusch hörte: er fuhr auf und bellte in höchsten Tönen über Minuten hinweg. Um in den Garten zu gelangen oder den Müll in die Tonne zu bringen, musste ich über den Hof. Meist hielt ich mir die Ohren zu und versuchte, Amigo weg zu ignorieren, aber meine Angst war riesig.

Bis ich eines Tages wütend auf ihn wurde. Wieder hatte er den ganzen Nachmittag über gebellt, so dass ich meine Hausaufgaben nicht auf unserem Balkon erledigen konnte und als ich später in den Garten ging und er mich mit seinem Gekläff beschimpfte, drehte ich mich um und schimpfte zurück. Zu meiner Verwunderung hörte er auf, blieb ebenso verwundert zitternd stehen und schaute mich an. Ich blckte fest zurück. Er machte einen Schritt auf mich zu, legte sich hin und bellte ganz leise. So angsteinflößend erschien er mir nicht mehr und ich tat das Gleiche, was ich mit Katzen tat: ich machte mich klein und erzählte ihm etwas schönes. Und wahrhaftig saß ich kurz darauf auf den Stufen des Balkons, Amigo auf meinem Schoß und kraulte einen Hund.

Nun saß ich jeden Nachmittag für ein Weilchen dort mit ihm, durfte ihn auch in den Garten mitnehmen und mit ihm herum spazieren und für einige Jahre hatte ich so einen Hund, den ich als guten Freund sah. Für meinen Kater empfand ich tiefe Liebe, für Amigo große Zuneigung. Während Mucki mir Gleichberechtigung und Respekt vor den Wünschen und Bedürfnissen anderer Lebewesen beibrachte, zeigte mir Amigo, dass ich das Kommando übernehmen konnte und dass auch das etwas mit Respekt zu tun hat – manchmal ist es wichtig, die Richtung für andere zu entscheiden.

Meine Angst vor großen Hunden blieb. Heute weiß ich, dass es eher die berechtigte Angst gegenüber manchen Hundehaltern ist – den Klassiker „Der will nur spielen“ habe ich zu oft aus mehreren Metern Entfernung gehört, während mir ein mich überragender Hund seine Pfoten auf die Schultern legte und mir seine Zunge über Ohren und Hals fuhr. Doch dann, in meinen Zwanzigern, lebte ich auf Norderney und hatte eine Freundin, die ein Schmuckgeschäft führte in einem winzig kleinen Ladenlokal. In der mit Engelsgeduld ein sehr, sehr großer rotbrauner Mischlingshund hinter der Theke lag und sich wohlfühlte. Und zu meiner Überraschung – insgeheim ging ich immer davon aus, dass Hunde mir ansähen, ich sei ein Katzenmensch und daher von mir Abstand nähmen – fasste Dusty Zuneigung zu mir. So sehr, dass meine Freundin mir eines Tages ihre Leine in die Hand drückte und mich auf die Promenade schickte. Ein großer, starker Hund und ich … ich sah uns oder zumindest mich schon von den Wellen verschlungen. Doch Dusty war entzückend, lief trabend-fröhlich neben mir her, stupste mich von Zeit zu Zeit an und strahlte. Von den Möwen und den Menschenmengen zeigte sie sich unbeeindruckt, sie zog mich nicht und zwang mich nicht zum Stehenbleiben, sondern war ein Schatz, mit dem ich nun öfter einmal eine immer größer werdende Runde drehen durfte. Eines Tages, als wir beide sehr müde waren und auf die Freundin warteten, sank erst Dustys Kopf auf meinen Schoß und danach meiner auf ihre Schulter. Als die Freundin dann kam, fand ich mich in Dustys Vorderlauf auf ihrem Bauch liegen und ihren Kopf auf meiner Hüfte. Der Abend zuvor war so lang wie unser Spaziergang und heiß war es auch und so waren wir beide eingeschlafen voll Vertrauen in die andere.
Nun hatte ich also Angst vor großen Hunden außer vor Dusty.

Aber es traten andere Freundinnen mit Hunden in mein Leben und klein war keiner von ihnen. Ich hatte einen Heidenrespekt und konnte mir ein Leben mit Hund nach wie vor nicht vorstellen – ich liebte mein Singleleben mit meinen beiden Katzenmädchen, die mich mit Liebe bedachten und sie ebenso selbstverständlich einforderten. Konnte es Schöneres geben als ein freies Wochende mit Eintopf, Pralinen, drei neuen Büchern, einem Strauß frischer Blumen, einem guten Film und all das im Bett kuschelnd mit zwei auf Dauerbetrieb gestellten Schnurrkatzen? Natürlich nicht. Regnete es dazu noch und stürmte und war ich jeder Verabredung erfolgreich aus dem Weg gegangen, so war es Seligkeit. Kam aber sonntags noch ein Hundespaziergang dazu – das war noch perfekter.

So wuchs über die Jahre hinweg ein kleiner stiller, vor mir selbst verheimlichter Wunsch: ein Leben mit Katze UND Hund. Aber obwohl auch Katzen Ansprache brauchen und glücklicher sind, wenn ihr Mensch ständig da ist, so kommen sie doch einigermaßen klar, wenn sie alleine oder zu zweit sind. Ein Hund – der will ständig raus, muss ständig erzogen werden, will ein Alphatier, das ihm den Weg zeigt und die Katzen ärgert er auch. Oder? Nun gut, über lange Zeit musste ich mir darüber keine Gedanken mehr machen; es änderte sich so vieles in meinem Leben. Ich mochte meine Selbstständigkeit und auch meinen Beruf nicht mehr, ich orientierte mich neu, zog hierhin und dorthin, war auf einmal sogar bereit für eine feste Beziehung, band mich wahrhaftig, lebte eine Zeitlang nur mit Mann und ohne Katzen, bekam gar Kinder, zog wieder um und wieder um, hatte auf einmal Kinder, die laufen, reden und Wünsche äußern konnten und einer dieser Wünsche war: Katze!

Gut, ok, ich gebe es zu, ich habe da ein klitzekleines bißchen nachgeholfen, unbedingt wollte ich eine Katze haben. Ohne ist das Leben einfach nicht lebenswert. Und wir versuchten es mit einem wunderschönen roten Kater aus dem Tierheim. Aber er war nicht der Richtige: er hatte Angst vor Männern und liebte mich. So sehr, dass er den Gatten und bald auch die Kinder anfauchte und bedrohte und keinen Schritt von meiner Seite wich. Ich hoffe so sehr für dieses starke und liebevolle Tier, dass er eine Frau ohne Anhang gefunden hat – von ihm wird sie in Jahrzehnten noch mit Liebe erzählen. Doch ich war wieder ohne Katze und der Gatte erstmal nicht bereit, von Katzen zu reden.

Aber dann, als mein Vater erkrankte und die Welt sich so sehr drehte, sprach ich wieder vom felinen Notstand. Und sie zogen ein, meine beiden Mädchen Momo und Minusch. Beide waren viel zu früh von ihren Müttern weggenommen worden und landeten bei einer Familie, deren Vater sie nicht wollte und deren viel zu kleiner Sohn sie ständig jagte und ärgerte. Bis heute sind beiden manche Zeichen der Zuneigung fremd; all meine vorherigen Katzen waren Nasenstubberinnen, die ihre Liebe so am liebsten bekundeten. Momo und Minusch darf kein Gesicht zu nahe kommen – das ist ihnen zu intim. Aber Minusch lässt mich ihre Samtpfoten massieren und schläft nachmittags dicht an mich gekuschelt auf dem Sofa, liegt mit Wonne auf der Nähmaschine, wenn sie in Betrieb ist, kontrolliert, wenn ich putze und beschwert sich sehr deutlich, wenn ich es wage, länger als eine Stunde das Haus zu verlassen. Momo ist die nach wie vor sehr Schüchterne, die sich auf mein Bett verzieht, wenn irgendwer ins Haus kommt, die sofort schnurrt, wenn man ihr die Hand auf den Kopf legt und jederzeit schmusebereit ist und der ich nachts gehöre, so wie der Gatte Minuschs Eigentum ist, wenn er nach Hause kommt. Und beide lassen sich von den Jungs Dinge gefallen, für die ich böse abgestraft würde. Wie sehr mir beide Katzen über die letzten Jahre geholfen haben mit Trauer und Depression, mit Krankheit und Wechseljahrsmist oder mich über schlechte Nachrichten hinweg trösten, das ist mit Gold nicht auf zu wiegen.

Und nun waren wir eine Woche an der Nordsee, wo ich so lange wieder hinwollte und ach, was gäbe ich darum, dort wenigstens einmal im Monat zu sein. Zwar hatten wir keinen breiten Sandstrand, sondern nur Deich und Buhnen, doch diese Luft, diese Landschaft, dieses Alles – was tat das gut. Und ich bin viel spazieren gewesen, täglich schwimmen im Spaßbad, wir machten Wassergymnastik, spielten Badminton und Minigolf, fuhren gar mit den Touri-Tretmobilen und spazierten noch mehr. Womöglich mutiere ich noch zu diesen Bewegungsfanatikerinnen; was habe ich alles an guten Vorsätzen. Das Schönste war jedoch: es tollten große Hund in Ekstase und Ausgelassenheit übers Watt. Und meine Gedanken ratterten. Zwar habe ich keine Nordsee, doch den Kottenforst direkt vor der Tür fünf Minuten den Hügel hoch. Alleine durch den Wald ist nichts für mich, die Jungs dazu zwingen nun, wo sie groß und stark sind, auch hoffnungslos. Aber mit Hund? Und Lenny, der Große, ruft schon seit Jahren nach Hund. Was wir ihm mit Hinweis auf seine Katzen ausreden konnten.

Nunja, machen wir es jetzt mal kurz: Seit gestern lebt Angelos bei uns, der aus Rhodos stammt und in seinen zweieinhalb Jahren Leben noch nicht so viel Schönes erlebt hat. Er ist groß, er ist (noch) etwas kummerspeckig und untrainiert und er ist scheu, still und zurückhaltend. Für uns der perfekte Hund. Er kennt Katzen und hat einen Heidenrespekt vor ihnen; er sucht nach Bestätigung und will alles richtig machen und wir konnten ihn bei zwei sehr ausgiebigen Besuchen bei seiner Pflegefamilie kennenlernen. Dort lebte er etwa zwei Wochen und hat dort so viel an Zuneigung erfahen, dass er nun wohl eine Ahnung von dem hat, was er sich wünscht. Und er ist bei all seiner Scheu neugierig und mutig.

Die wahre Heldin des gestrigen Tages allerdings ist Minusch. Als der Gatte einwandte, dass unsere Katzen bestimmt keinen weiteren Hausbewohner wollen, wischte ich das hinweg mit den Worten, der Hund sei ja keine Katze. Und wollte daran auch selbst glauben. Läuft in unserem Garten eine fremde Katze, so flitzt Minusch von Fenster zu Fenster, droht und faucht und kontrolliert noch stundenlang, was draußen los ist – das teilt sie sich dann mit Momo, die zwar anderen Katzen gegenüber offener ist, aber sich der Meinung, in diesem Hause seien genug Katzen, anschließt. Seit einer Woche lebt in unserem Garten eine wunderschöne graue Langhaarkatze, die natürlich von mir ein bißchen gefüttert und besprochen wird und die – ich verstehe die Besorgnis meiner Katzen – in der Tat Anzeichen zeigt, hier einziehen zu wollen. Denn sie lässt sich von Minuschs Drohungen wenig beeindrucken, kommt im Gegenteil sehr bestimmt näher und schaut ihr fest in die Augen. Spreche ich sie daraufhin bewundernd an, bekomme ich einen Klopfer mit der Tatze und einen strafenden Blick Minuschs. Ich bin eine miese Verräterin.

So waren wir also gespannt. Angelos traf ein, suchte sich einen Platz zwischen den Sofas, während die Pflegefamilie und wir noch erzählten und blieb dort auch erst einmal liegen, als sie gingen. Eine Weile später bot ich ihm einen kleinen Spaziergang im Garten an und als wir zehn Minuten später wieder ins Haus kamen, legte er sich sofort wieder auf seinen Beobachtungsposten. Beide Katzen hatten die Zeit oben verbracht, in Sicherheit. Doch nun stand Minusch auf dem Treppenabsatz und blickte hinunter. Langsam wagte sie sich Stufe für Stufe abwärts, ging dann durch die Wohnzimmertür und schaute ihn an. Zwei Sekunden, dicker Schwanz, schnell raus. Nach einer halben Minute wieder rein. Hund angucken, schnuppern, raus. Das ging über eine halbe Stunde so. Angelos lag auf seinem Platz, schaute sie aus den Augenwinkeln an und rührte sich nicht. Dann wurde Minusch immer mutiger: Kopf vorgestreckt, Bauch am Boden, ganz lauernde Aufmerksamkeit wagte sie sich auf zwei Meter an ihn heran. Angelos, der auf Rhodos für einige Tage mit 15 Katzen zusammen gelebt hatte, kannte diese Sprache wohl und knurrte: nein, Beute ist er nicht. Minusch zog sich zurück, Angelos erntete ein entschiedenes Nein, worauf er verstummte. Und Minusch lief vorsichtig rein und raus, rein und raus. Er ist keine Katze, er bellt nicht und sie ist neugierig – besser konnte es kaum laufen.

Später gingen Angelos und ich für eine zweite Runde durch den Garten und die Graue saß vor der Tür. Diesmal zeigte sich deutlich, dass der Hund Katzen fürchtet. Die Graue machte etwas Platz, zumal sie sich von mir noch nicht anfassen lassen will („Give me time, just give me time“) und so bekam ich Angelos aus der Tür. Als wir halb herum waren, blieb er stehen und knurrte. Ich sah, die Graue hatte sich unter den Busch vor uns gesetzt und von dort aus fixierte sie ihn. Absolut ungerührt. Diese Katze will die Weltherrschaft, das ist klar. Er knurrte, sie machte sich ein wenig größer und kam näher. Angelos winselte, klemmte den Schwanz zwischen die Beine und wußte nicht, was tun. Wie ich es von seiner tollen Pflegemutter gelernt hatte, stellte ich mich vor ihn und wahrhaftig beruhigte er sich sofort und ließ sich an ihr vorbeiführen. Allerdings hatte er für den Rest des Gartens keine Lust mehr und schaute recht sehnsüchtig zur Tür. Als wir eintraten, saß Minusch sehr nahe. Nach seiner Erfahrung mit der Diktatorkatze zwei Minuten zuvor schien er Minusch mit anderen Augen zu sehen und blieb entspannt. Ich bin also hoffnungsfroh, dass unsere Tiere das schaffen werden. Momo, die eh größtenteils in meinem Zimmer lebt, wird sich wohl erst in seine Nähe wagen, wenn Minusch die Lage im Griff hat. Zweimal habe ich sie ihm gezeigt und so leid es mir tut, dass ein riesiger weißer Hund sich vor einer schwarzen Minikatze etwas fürchtet, so gut ist das natürlich als Arbeitsbasis.

 

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Nun bin ich seit vier Uhr heute morgen wach; es ist aufregend und Momo verlangte nach Versicherung und Liebe. Seit sechs Uhr sitze ich im Wohnzimmer auf dem Sofa und schreibe; Angelos liegt einen Meter vor mir auf der Decke, die er angenommen hat. Seinem Körbchen traut er noch nicht. Als ich hereinkam – die Wohnzimmertür war mit einem Stuhl verschlossen, damit Minusch nicht während der Nacht hereinkonnte ohne unsere Aufsicht – sprang er auf und ging zwei Schritte wedelnd auf mich zu, was mich sehr glücklich gemacht hat. Ich habe ihn begrüßt, unter dem Kinn gekrault und dann legte er sich wieder hin, wo er seitdem schnarcht und schnauft und manchmal hochschaut. Momo wagte sich immerhin in die Küche, Minusch schaute einmal vorbei und kontrollierte dann, ob die Graue vor der Tür steht. Ihr sieht man gut an, wie erleichtert sie ist, das Angelos keine Katze ist.

Mehr des Gleichen

Obwohl der Name „Bridget“ für die weiteren Modelle des Tunikaschnittes nicht passt, bleibt es nun dabei – dabei gebe ich meinen Schnitten doch sonst keine Namen. Aber da es wohl noch viele, sehr viele Varianten geben wird, hat er sich einen Namen verdient. Also noch mehr Bridget …

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Den Stoff habe ich von Freundin Arlett erhalten, die daraus schon eine wirklich schöne Bluse nähte, die ich probieren durfte. Monatelang lag er nun im Schrank, weil ich trotz Arletts gegenteiligen Beteuerungen befürchtete, er würde mich mit Rutschen und Glitschen ärgern. Tat er nicht, was ich noch immer erstaunlich finde. Dafür hatte ich kurz zuvor eine Leinen-Viskose-Mischung verarbeitet, der sanft fließend und knitterarm war. Solange er unangeschnitten war. Die fertige Bluse benimmt sich wie Quiltbaumwolle – ganz offenbar habe ich momentan kein Stofferkennungshändchen …

 

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Man beachte den feinen Unterschied zwischen „Bluse rundum in den Bund gesteckt“ und „Bluse nur partiellt eingesteckt“. Und darf ich – ausnahmsweise – einmal sagen, wie sehr ich mich über die Hose freue? Die in einem Geschäft fand, das normalerweise meinen Geschmack nicht trifft. Und, wenn auch knapp, das ist eine 38 – eine sehr stretchige. Es mag albern anmuten, aber ich fühle mich belohnt.

 

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Die Tunika ist nicht nur untailliert, sondern wird nach unten sogar etwas weiter – und ist dennoch so variabel tragbar. Aus dem Leinen-Viskose-Gemisch habe ich eine Bluse genäht, die minimal tailliert ist und darin sehe ich deutlich a-linienförmiger aus. Rätsel der Schneiderei.

 

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Ungewohnt viele Bildchen, aber ich fühlte mich so wohl darin. Mittlerweile sitze ich hier im Sportzeugs, weil ich gleich noch mal was tun sollte … also für den Fall, dass es mich überkommt, bin ich passend gewandet.

Ein Sommerkleid – schon einmal getragen …

Was den Sommer anbelangt, bin ich erstaunlich lange optimistisch – auch im September kann es noch herrlich heiße Tage geben. Aber ich muss zugeben, dass ich mit meinem Optimismus in diesem Jahr ins Straucheln komme. Es gab schon schöne Tage, gerade der letzte Sonntag war ein solcher: ich lag den ganzen Tag in unserem Garten im Schatten und außer lesen und daddeln habe ich rein gar nichts getan. Doch ich könnte noch mehr von dieser Sorte vertragen. Schon allein, um die paar Teile tragen zu können, die ich für Glut und Hitze nähte.

Der Schnitt ist, wie mittlerweile meist, simpel: Schulter- und Achselabnäher wurden zugedreht, der Saum vorne leicht gerundet angehoben und die Schulterbreite verringert (da hätte noch mehr weggekonnt). Dazu vorne ein U-Bootausschnitt und hinten ein kleines V, so dass ich mir jeden Verschluß sparen konnte. Genäht ist es aus einem etwas rauerem Leinen in blaugrau mit leichtem Türkisstich.

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Bei jedem Schritt fächelt es Luft nicht nur um die Beine, sondern auch bis zu Bauch und Taille – herrlich. Wenn es heiß ist; im Augenblick sieht es eher nach Regen aus.

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Ich überlege, wie dieser Schnitt aussähe, nähte ich ihn in Viskose? Zu schlapp? Ober besonders zart und luftig?

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Besonders schön ist, dass es sich extrem schnell nähen lässt. Oder ließe, wenn nicht ich es nähe. Ich werde langsamer und langsamer – ein Zeichen des Alters? Sicher nicht der wachsenden Sorgfalt.

 

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Sommerblazerjackencardigan

Schon lange, lange, ganz, ganz lange wollte ich eine Jacke mit einem drapierten Kragen besitzen – so ein lässiges Teil ohne nennenswerte Struktur. Aber einerseits passte diese Art Blazer nicht zu meiner Vintagegarderobe und zum anderen war ich mir nicht sicher, ob das etwas für mich ist. Alles, was zu fließend und un-geschneidert war, schien mir besser zu Figuren zu passen, die eben nicht so sind und da ich alles andere als athletisch und gestählt bin …

Aber es ließ mich nicht los und in den letzten Wochen, ach was Monaten, kam ich wegen ständiger Krankheit und dauernder Kindersorge zu gar nichts außer zu zwei Röcken und einem umgeschneiderten Oberteil – nichts, was sonderlich kreativ oder anspruchsvoll gewesen wäre. Und so viel weiter bin ich nicht gekommen.
Ich schnappte mir den Jacketschnitt und machte den ersten Fehler: ich hatte den Bunka-Blazer abändern wollen und griff stattdessen zum Jacket nach Pepin. Das zu kurz ist, zu breite Schultern hat und irgendwie wenig schnittig ist. Gemerkt habe ich es wann? Natürlich, nach dem Zuschnitt bei der ersten Anprobe. Die Lust, diese Jacke zu füttern, war schlagartig verpufft; zu groß war sie eh nicht gewesen. Sehr zögerlich bastelte ich jeden Tag für einige Minuten weiter: mal kam ein Beleg dran, dann eine Kante, da säumte ich mit der Hand und mal warf ich das Teil in eine Ecke. Zum engen Rock gefiel es mir gar nicht, aber zu kurzen Hosen dann doch. Und irgendwann gestern stellte ich es fertig. Und war nach wie vor ambivalent.

Der Schnitt ist unverändert, nur ist die vordere Mitte um 19 cm verbreitert – kein großer Aufwand also. Der Stoff ist ein tintenblauer Leinen, der sich sehr gut für eine ungefütterte Sommerjacke eignet; die Verarbeitung könnte besser sein. Viel besser. So halb lustlos und verärgert an einem Nähstück herumzusticheln, führt zumindest bei mir zu Nachlässigkeit und Sorglosigkeit. Aber als ich ihn gerade für eine Einkaufsfahrt überwarf, war ich erfreut: genau das richtige für Temperaturen um die 20 C° bei bewölktem Himmel und jetzt, auf den Bildern, finde ich ihn nett:

 

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Ha, wenn ich mal mit Absicht Elegie und Melancholie nachstellen wollte, es gelänge mir wohl nicht. Im Moment des Kameraklickens denken, der Boden müsse gewischt werden – das ist der Weg zum poetischen Blick. Unbedingt merken!

 

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Und einmal noch von hinten: ich hätte mir die Jacke deutlich länger gewünscht, allerdings passt sie so nun zu den kurzen Hosen, die ich noch für den Urlaub haben will.

 

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In den nächsten Tage geht es noch einmal mit dem wunderbaren Kleiderschrank weiter, allerdings haben wir solch einen Brass mit einer der Lehrerinnen des Großen, dass meine Konzentration nicht ungeteilt ist.